Julien-Adolphe Duvocelle
Schädel mit vorstehenden Augen

Schädel mit vorstehenden Augen (Ausschnitt)
Julien-Adolphe Duvocelle (1873-1961)
Schädel mit vorstehenden Augen (Ausschnitt)
Bleistift und Kohle
H. 36; B. 25 cm
© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean-Gilles Berizzi


Schädel mit vorstehenden Augen

Crâne aux yeux exorbités [Schädel mit vorstehenden Augen]


Dieses Werk entstand in der makaberen Phase des Künstlers. Es entspricht nicht wirklich den moralisierenden und religiösen Absichten der Memento mori. Diese lateinische Redewendung bedeutet „Vergiss nicht, dass du sterben wirst“ und bezeichnet die traditionelle Darstellung von Skeletten, die den Betrachter zum Nachsinnen über die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz veranlassen sollen.

Julien-Adolphe Duvocelle war ein Schüler von Bonnat, einem berühmten Akademiemaler, von dem das Musée d'Orsay mehrere Porträts besitzt. Im Katalog der Salons des artistes français, auf dem Duvocelle von 1897 bis 1927 regelmäßig ausstellt, kann man lesen, dass er sich auch der Porträtmalerei, insbesondere Frauenbildnissen, widmete. Auf der Weltausstellung 1900 wird er für Porträt meiner Mutter ausgezeichnet.

Das spöttische Grinsen und die aus dem Schädel hervorstehenden Augen, die Hände, die sich am Rand eines Leichentuch festzuhalten scheinen, lassen an einen übertrieben morbiden Symbolismus denken, der nahezu provokatorisch anmutet. Der Eindruck wird noch durch die aneinandergereihten Knochen der Umrandung verstärkt wie beim Dekor der Katakomben. Das Werk erinnert an die skelettartigen, fratzenhaft verzerrten Hexen von Goya oder Ensor, obgleich es nicht direkt damit verglichen werden kann.




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