Paul Gauguin
Selbstporträt

Selbstporträt
Paul Gauguin (1848-1903)
Selbstporträt
Um 1902-1903
Bleigriffel
H. 15; B. 10 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Michèle Bellot


Anthropomorpher Krug

Autoportrait [Selbstporträt]


Am 2. September 1903 fand auf der Place du roi Albert, gegenüber der Residenz des Gouverneurs in Papeete die zweite posthume Versteigerung der Habseligkeiten des am 8. Mai 1903 auf den Marquesas verstorbenen Paul Gauguin statt. Der Kunstliebhaber Victor Segalen, der zu dieser Zeit als Marinearzt vor Ort tätig war, kannte zwar Gauguin nicht, doch er hatte in französischen symbolistischen Kreisen und auch durch einen seiner Kollegen in Brest, Doktor Gouzer, der Werke von Gauguin besaß, von dem Künstler gehört. Das konformistische Milieu von Papeete, berührt der Tod des Malers nicht. Er galt als dekadenter, provokatorischer Künstler, der auf die schiefe Bahn geraten war. Victor Segalen legt Zeugnis von dem homerischen Durcheinander dieses denkwürdigenVerkaufs ab. Er erwirbt alles, was er mit seinem mageren Sold ersteigern kann: 24 Posten, darunter dieses Selbstbildnis in Bleigriffel, das bis zu seinem Eingang in die Sammlungen des Musée d’Orsay im Jahr 1992 im Besitz der Familie des Arztes bleiben wird.

Dieses sehr bewegende Blatt ist vielleicht eines der letzten Selbstbildnisse von Gauguin. Das genaue Entstehungsdatum ist nicht bekannt, doch die erschöpfte Haltung des in sich zurückgezogenen Oberkörpers und der überdrüssige Ausdruck des Gesichts mit den halb geschlossenen Augen lassen auf ein relativ spätes Datum schließen. Es fällt auf, dass sich Gauguin hier nicht wie üblich in Szene setzt, sondern sich schonungslos darstellt. Sein halb im Mund steckender Daumen – wie die Figur auf seinem anthropomorphen Topf (1889, Musée d’Orsay) - ist Ausdruck einer nahezu infantilen Regression.




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