Edgar Degas
Tänzerinnen

Tänzerinnen
Edgar Degas (1834-1917)
Tänzerinnen
1884 oder 1885
Pastell
H. 75 cm; B. 73 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Danseuses [Tänzerinnen]


Mit diesem Pastell wendet sich Degas erneut einem Thema zu, dem er sich schon in den 1870er Jahren widmete: Ballettänzerinnen legen eine Pause ein. Er beschäftigt sich auch wieder regelmäßig mit der Wirkung von Gegenlicht, einer Beleuchtung, die „die Silhouette schmäler erscheinen lässt”, Einzelheiten weglässt, die charakteristischen Merkmale eines Gesicht und eines Körpers abschwächt und sie folglich anonym werden.

Degas setzt für die Tänzerinnen zwar teilweise eine schon vertraute Formensprache ein, bringt aber Neuerungen hinsichtlich des Formats und des Bildaufbaus. Das Gemälde ist zweifellos das beste Beispiel für die „klassische Periode” des Malers. Um 1884 vereinfacht der Künstler tatsächlich seine Komposition, verringert die Tiefe seines Bildraums, setzt seinen Standpunkt auf die normale Höhe herab und konzentriert sich auf eine einzige Figur oder Figurengruppe. Er verzichtet auch auf jegliche karikaturistische Absicht, die seine früheren Werke auszeichnete, um den Erwartungen der Kritiker und der Öffentlichkeit zu entsprechen: „gegen den Farbenwirrwarr und die komplexen Effekte der zeitgenössischen Malerei protestieren”. Davon legen die Tänzerinnen beredtes Zeugnis ab.

Degas verwendet hier ein fast quadratisches Format, das für ihn sehr ungewöhnlich ist, auf das er jedoch später regelmäßig zurückkommen wird. Während er sich bei seinen früheren „Tanzstunden” Einzelfiguren oder weiten, leeren Räumen widmete, sind auf diesem Bild sechs Figuren zu sehen, die sich berühren, sich entsprechen und in gewisser Weise ein einziges Wesen mit mehreren Köpfen, Armen und Beinen bilden. Durch die weißen Ballettröckchen zeichnet sich ein Körper vom anderen ab und die Bewegungen hallen echoartig wider.
Die ungleichmäßige und grelle Beleuchtung frischt die Farbe eines Rückens oder einer Schulter auf, einer blonden oder roten Haartracht. Der bald dichte, bald leichte Auftrag des Pastells gibt die duftigen Tutus, das graue, staubige Aussehen des Saals gelungen wieder. Er ermöglicht auch leuchtende Farbtupfer wie das Rot und Gelbgrün eines Dutts.

Das Werk kündet die umfassende Werkreihe der Tänzerinnen der Jahre 1890 bis 1900 an. Degas verwendet ähnliche Gesten, Körperhaltungen in Verbindung mit einer unterschiedlichen Farbpalette. Doch das Gemälde Die Tänzerinnen ist einmalig, es gibt keine einzige Replik, keine einzige Variante. Es ist ein Meisterwerk, das zu einem Zeitpunkt, als sich der Impressionismus auflöst, als Renoir, Pissarro und Monet tastende Versuche machen, von der erstaunlichen Lebenskraft des Künstlers zeugt.




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