Francois-Rupert Carabin
Bibliothek

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Francois-Rupert Carabin (1862-1932)
Bibliothek
1890
Nussbaum, Schmiedeeisen
H. 290; B. 215 cm


Bibliothek (Ausschnitt)
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Bibliothèque [Bibliothek]


Es ist bekannt, dass die Bildhauerei – Carriès, Dampt, Charpentier, usw. – wesentlich zur Erneuerung des Kunsthandwerks Ende des 19. Jahrhunderts beitrugen. Carabin war einer der Wegbereiter und seine Bibliothek könnte unter anderem bewirkt haben, dass die Holzschnitzerei bei einigen Künstlern des ausgehenden 19. Jahrhunderts wieder an Bedeutung gewann.
Dank der handgeschriebenen Aufzeichnungen des Künstlers aus dem Jahr 1915 ist die Entstehungsgeschichte dieses Möbelstücks bekannt. Die Bibliothek wurde Anfang 1889 von einem Kunstliebhaber in Auftrag gegeben, „der zwar nicht vermögend war, dem es jedoch an Ideen nicht fehlte”. Die Ausführung des Stücks erforderte Zeit und Mittel: „Ich habe 11 Monate lang daran gearbeitet und 3750 F ausgegeben… ich bin vom Prinzip eines Würfels, von der Asymmetrie ausgegangen, und habe die Linien durch Figuren und Ornamente miteinander verbunden, die der Natur entlehnt waren. Ein Kunstschmied namens Servat, der zwar in der Kunst nicht bewandert war, sein Handwerk jedoch mit großem Geschick ausführte, fertigte die prächtigen Beschläge unter meiner Anleitung an”. Folglich ist diese Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes ein „Meisterstück”. Carabin stellt es stolz im März 1890 einige Tage in seiner Werkstatt aus. Im selben Jahr wird die Bibliothek auf dem Salon des Indépendants „unter dem Vorwand, dass man im folgenden Jahr Nachttöpfe einsenden könnte”, abgelehnt. Doch 1891 wird die angewandte Kunst schließlich auf einem jährlich stattfindenden Salon angenommen und zwar auf dem der Société nationale des Beaux-Arts. Das Möbelstück von Carabin wird neben anderen Werken auf dieser Veranstaltung präsentiert werden.

Der Kunstkritiker Gustave Geffroy erläuterte die Symbolik der einzelnen Figuren, die das Werk zieren: „Die Figuren am unteren Teil des Möbelstücks sind niederträchtige Figuren, Feinde der Intelligenz, die durch das Buch besiegt und zum Sklaven wurden. Auf der einen Seite sieht man die Unwissenheit… auf der anderen Seite mehrere Masken übereinander: die Eitelkeit, den Geiz, die Völlerei, Wut, Dummheit, Scheinheiligkeit… Den Abschluss am oberen Teil bilden drei Figuren, die die Bildung des Geistes versinnbildlichen… In der Mitte sieht man die Wahrheit… Links und rechts je eine Lesende…”.




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