Emile Gallé
Flasche mit Ätzornamenten

Flasche mit Ätzornamenten
Emile Gallé (1846-1904)
Flasche mit Ätzornamenten
Modell aus dem Jahre 1895
Doppelschichtiges Glas, geblasen und gegossen
H. 27; B. 8 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt


Flasche mit Ätzornamenten

Bouteille à ornementation creuse [Flasche mit Ätzornamenten]


Diese Vase ist in der Modellmappe aufgeführt, die Gallé am 14. Mai 1895 ein Jahr nach der Gründung seiner Glasmanufaktur beim Gewerbegericht Nancy zur Sicherheit hinterlegt. Mit dem Bau der Glasmanufaktur in Nancy wird dem dreißigjährigem Hin- und Herreisen zwischen Nancy und Meisenthal ein Ende bereitet.

Die Flasche ist das erste Modell der Serie und ihre Form dient im Weiteren als Grundkorpus für andere Dekortypen. Im Zusammenhang mit der Beschreibung der Modelle wird seine Ornamentik aufgrund der eingrabenden Arbeitsweise von Gallé selbst als „graben“ bezeichnet: Arabesken werden tief in dickes Glasmaterial gestochen. Das zu bearbeitende Material konnte entweder farblos sein oder wurde wie hier in ein in Schwarz übergehendes prächtiges Ochsenblut umgewandelt. Dieser Effekt wird durch die Überlagerung von zwei Schichten verschiedener Intensität auf einer farblosen Glasmasse erzeugt.

Ein Werk dieser Art verrät viel über Gallés spielerische Gestaltungskraft, bei der persönliche Ausdrucksweise und Originalität im Vordergrund stehen. Verweist die Form eher auf den fernen Osten, zeugen die Arabesken hingegen vom Einfluss islamischer Künste. Das Rot der mittleren Glasschicht, das aufgrund der leicht zurücktretenden Oberflächenschicht in der Form einer Litze erscheint, erinnert an das berühmte Ochsenblut der chinesischen Keramik, das die französischen Keramiker der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so sehr faszinierte und dessen Herstellungsgeheimnis viele von ihnen unaufhörlich aufzudecken versuchten. Die dunkelste Schicht mit ihrer Farbintensität, ihrem Glanz und ihrer zarten Erscheinung kann mit den Lacken des fernen Ostens rivalisieren.

Angesichts der vielen, bis heute verzeichneten, recht bedeutenden Exemplare scheint die Serie einen gewissen Anklang gefunden zu haben.




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