Hector Guimard
Schild „Castel Henriette”

Schild „Castel Henriette”
Hector Guimard (1867-1942)
Schild „Castel Henriette”
Um 1900
Lava, behauen und emailliert
H. 110; B. 110 cm
© Musée d'Orsay, dist RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt


Schild „Castel Henriette” (Ausschnitt)
Schild „Castel Henriette” (Ausschnitt)
Schild „Castel Henriette” (Ausschnitt)

Enseigne "Castel Henriette" [Schild „Castel Henriette”]


Guimard versteht es meisterhaft, die Möglichkeiten emaillierter und rekonstituierter Lava für seine dekorativen Kreationen zu nutzen. Das Verfahren besteht darin, die natürliche Lava formbar zu machen, indem sie zerstoßen und pulverisiert und anschließend mit Ton und Schmelzmitteln vermischt wird. Sie kann nun für die Herstellung großformatiger Tafeln benutzt werden.
Die Verwendung emaillierter Lava für das Haus von Coilliot (1898-1900) wirkt sehr beeindruckend. Dazu muss gesagt werden, dass der Auftraggeber, der Keramikhändler Louis Coilliot, nahezu das Monopol für den Vertrieb dieses Materials besaß. Die Fassade seines Hauses, die vollkommen mit Lavastein verkleides ist, mutet wie eine monumentale Werbung an.
Von nun an werden die Schilder, die Guimard für Villen und Häuser, darunter das Castel Henriette (1899-1900), Bahnhöfe und Metroeingänge entwirft, aus emaillierter Lava angefertigt werden.

Die Buchstaben der Schilder werden von dem Architekten persönlich entworfen. Ihre Graphie unterstreicht die neuartige Architektur der Fassade. Die Linienführung der Buchstaben und der architektonische Rhythmus sind untrennbar miteinander verbunden und machen deutlich, dass er sowohl der Linie als auch der Farbe eine wesentliche Bedeutung beimisst. Die dicken, breiten, verzogenen Buchstaben in ausgewogenen Rosa- und Orangetönen verleihen den Wörtern ein erstaunlich dynamisches Aussehen, das den Fassaden in nichts nachsteht. Doch beide sind Gegenstand heftiger Reaktionen. Die Commission du Vieux-Paris [Kommission für die Bewahrung und Erschließung des städtischen Kulturerbes] kritisiert 1901 die „merkwürdigen, fantastisch anmutenden, unförmigen Buchstaben” und fordert „klar leserliche Buchstaben”.




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