Jean Carriès
Der Froschmensch

Der Froschmensch
Jean Carriès (1855-1894)
Der Froschmensch
Um 1891
Steingut, emailliert
H. 31,5 ; B. 36 ; T. 38 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt


Der Froschmensch
Der Froschmensch

Der Froschmensch


Gegen Ende 1880 beginnt Carriès Skulpturen aus Steingut zu modellieren. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um Neubearbeitungen früherer Werke oder um Recherchen für eine monumentale Tür für Prinzessin von Scey-Montbéliard, der späteren Prinzessin Edmond de Polignac. Carriès schuf unabhängig von der Tür nur vier Originalmodelle, zu denen auch dieser Froschmensch gehört.
Die Keramikwerke bilden ein in thematischer und formaler Hinsicht harmonisches Ganzes. Auf einigen Platten der Tür sind Frösche, Amphibien mit menschlichem Gesicht oder Fabeltiere mit Froschmaul zu sehen. 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sind Frösche und Kröten bei Keramikkünstlern und Kunstliebhabern sehr beliebt, vermutlich besteht der Reiz in der Absonderlichkeit dieser Figuren. Carriès scheint dieses Motiv ganz besonders zu faszinieren. 1897 ruft sich der Schriftsteller Octave Uzanne einen nächtlichen Spaziergang in Erinnerung, den er 1882 in Begleitung des Bildhauers inParis unternommen hatte: „eine Kröte sprang vom Seineufer hoch zu uns […], Carriès hob sie sogleich auf […] streichelte sie sanft und betrachtete sie voll Bewunderung”. Zehn Jahre später hat sich das Tier in ein abstoßendes Wesen verwandelt. Der Froschmensch ist zweifellos das Ergebnis der fiebrigen Nächte, die er aufgrund einer Rippenfellentzündung - an der er 1894 sterben sollte - verbrachte und des Kopfzerbrechens, das ihm die Arbeit an der Tür bereitete. Auch die Einnahme von Morphium spielte vermutlich bei der Entstehung dieses Gebildes eine Rolle.

Dieser unheimlich und grotesk anmutende Froschmensch, der mit den unzähligen „Schreckensmasken” der Tür verwandt ist, besticht durch seine Poesie und die geheimnisumwobene Atmosphäre, die der schlammigen Tiefe stiller Gewässer anhaftet. Er ist der Traumwelt des Symbolismus zuzuordnen. Die Figur erinnert auch an die steinernen Ungeheuer der Kathedralen. Man kann außerdem eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kappa, einem japanischen Fabelwesen mit dem Panzer einer Schildkröte und froschähnlichen Schwimmhäuten zwischen den Zehen, feststellen. Es gibt jedoch keinen Hinweis, ob sich Carriès diese Figur zum Vorbild genommen hatte.




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