Jean Carriès
Übertopf

Übertopf
Jean Carriès (1855-1894)
Übertopf
Um 1891
Emaillierter Ton, Goldhöhungen
H. 16; B. 16,8 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean Schormans

Cache-pot [Übertopf]


1888 zieht sich der Bildhauer Jean Carriès (1855-1894) in die Puisaye in der Nièvre zurück, um sich der Keramikkunst zu widmen. In der Puisaye gab es damals mehrer Zentren, in denen Gebrauchsgegenstände aus rohem und glasiertem Ton hergestellt wurden. Nach einem kurzen Aufenthalt in Cosne lässt sich Carriès in Saint-Amand nieder, wo für die Erarbeitung und den Guss der von der Prinzessin von Scey-Montbéliard geborene Winaretta Singer in Auftrag gegebenen monumentalen Tür in kürze eine große Werkstatt gegründet wird. Ab Frühling 1891 zieht sich der Künstler immer häufiger auf den Landsitz von Montriveau zurück, wo er einen Brennofen bauen lässt, indem er fortan seine Tonwaren und die Steingutplatten für die Tür brennen wird.

Der erste Einbau findet am 23. September 1891 statt. Im darauf folgenden Frühjahr stellt Carriès im Salon de la Société nationale des Beaux-Arts eine Vitrine aus, die allgemeine Bewunderung hervorruft. Selbst die offiziellen Behörden zeigen Interesse für seine Arbeiten, das Ministerium für Unterrichtswesen und Schöne Künste erwirbt zwölf Werke für das Musée du Luxembourg und das Musée de Sèvres, darunter befindet sich auch die Vitrine. Carriès war ein Meister der Emaillierkunst, die er allein ausübte. Die zermahlenen mit geschmolzenem Blei vermischten Backsteine oder die Asche, die in den Öfen vorgefunden wurde, zeugen davon, dass der Künstler tatsächlich seine ihm eigenen Praktiken hatte. Seine Meisterwerke, die zu den schönsten Arbeiten der westlichen Keramikkunst zählen, entspringen nicht einer bestimmten Methode sondern der Verbindung moderner chemischer Verfahren mit den jahrehundertealten Techniken der Einheimischen.




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