René Lalique
Bärenklau

Bärenklau
René Lalique (1860-1945)
Bärenklau
Zwischen 1902 und 1903
Horn, geschnitzt, Gold, Diamanten
H. 21,5; B. 8,5 cm
© ADAGP - Musée d'Orsay, dist RMN

Berce [Bärenklau]


Das große Interesse für Haarschmuck im ausgehenden 19. Jahrhundert hat mehrere Ursachen. Schon im Zweiten Kaiserreich erfreut sich im Zuge der Spanienbegeisterung der traditionelle Hornkamm großer Beliebtheit. Etwas später bringt die japanisierende Mode Kämme aus ziseliertem Metall und lackiertem Holz sowie jene langen Nadeln, die sich zu wahren Zierobjekten entwickeln, in den Westen. Der zu jener Zeit moderne Dutt macht im übrigen Kamm und Nadel unerlässlich. Die Juweliere machen sich diese Gelegenheit zunutze. Unter ihrer Hand werden diese Gegenstände zu regelrechten Schmuckstücken.

René Lalique schuf sehr raffinierte Schmuckstücke. Im Vordergrund stand für ihn nicht der Pretiosenwert des Materials sondern einzig der künstlerische Gehalt des Sujets. Er verwendet statt des traditionellen, edlen Schildpatts das „dunkle, unmoralische“ Horn.
Seine Nadeln legen beredtes Zeugnis von dem Talent und Geschick des Künstlers bei der Bearbeitung des Horns ab. Man kann die Dolden sofort identifizieren. Dieses Motiv ist damals insbesondere bei den Künstlern der Schule von Nancy sehr beliebt.
Der Künstler gibt eine abstrakte Stilisierung der naturalistischen Merkmale des Doldenblütlers. Das Schmuckstück kann dank seines Aufbaus seine Funktion erfüllen: einen Dutt zusammenhalten und den Glanz der Haarpracht betonen. Die subtile Verbindung der Materialien trägt maßgeblich zu diesem Ergebnis bei. Das meisterhaft geschnitzte helle Horn suggeriert die unzähligen Blüten des Doldengewächses. Die winzigen Diamanten fangen das Licht ein und geben das Glitzern des Blütenstandes wieder. Das Gold eignet sich meisterhaft für die Darstellung der steifen Blütenstiele und ihrer Hüllblätter.




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