Henri de Toulouse-Lautrec
Im Nouveau Cirque, Papa Chrysanthème

Im Neuen Zirkus, Papa Chrysantheme
Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901), Louis Comfort Tiffany (1848-1933)
Im Neuen Zirkus, Papa Chrysantheme
Um 1894
Glasfenster: "amerikanisches" Glas, Cabochons
H. 120; B. 85 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Gérard Blot

Au Nouveau Cirque, Papa Chrysanthème [Im Nouveau Cirque, Papa Chrysanthème]


1895 lässt der Kunsthändler Siegfried Bing (1838-1905) seine berühmte Pariser Galerie für fernöstliche Kunst in den Kunstsalon L'Art Nouveau umbauen, der dem Kunstgewerbe und der Innenausstattung gewidmet ist. Avantgarde-Künstler wie Henry Van de Velde, Paul Ranson oder Maurice Denis richten die Räume mit eigens hierfür entworfenen Möbeln und Kunstgegenständen ein, wobei alle möglichen Techniken zum Einsatz kommen.
Im Auftrag des Direktors der Académie des Beaux-Arts unternimmt Bing eine Reise nach Amerika. 1896 erscheint sein Bericht über die amerikanische Kunstindustrie La Culture artistique en Amérique. Er entdeckt dort die Werkstatt des Glaskünstlers Louis-Comfort Tiffany (1848-1933), der durch seine einzigartigen farbigen Glaskreationen, genannt favrile glass oder amerikanisches Glas, berühmt wurde. Voller Begeisterung beauftragt Bing Toulouse-Lautrec und einige Künstler der Nabis mit Vorlagen für Glasfenster, die in New York von Tiffany angefertigt werden sollen. Das Glasfenster spielt damals eine wichtige Rolle in der Innenausstattung. Im Frühling 1895 sind die Stücke fertig.

Lautrecs Glasfenster wird in der Galerie L'Art Nouveau direkt über dem Eingang, der zum Raum mit den japanischen Kunstgegenständen führt, präsentiert. Der japanische Einfluss tritt deutlich in den geschwungenen Linien und der Technik des Cloisonismus zutage. Als Motiv für das Sujet von Papa Chrysanthème diente die Darbietung eines japanisch inspirierten Balletts, das 1892 im Nouveau Cirque in der Rue Saint-Honoré vorgeführt wurde.
Jacques-Emile Blanche schildert das Glasfenster in der Revue blanche folgendermaßen: „Unter diesen Stücken zeichnet sich insbesondere das Werk von Lautrec aus, der aus einer Zirkusszene und dem Hut einer Kokotte eines der schönsten und modernsten Motive schuf”. Trotz dieser anerkennenden Kritik sind die Meinungen über diese Serie von Glasfenstern geteilt und Bing erhielt, so scheint es, keine einzige Bestellung. Das Werk, das durch seine kühne Komposition und das komplizierte Herstellungsverfahren besticht, ist charakteristisch für die im Entstehen begriffene Art Nouveau-Kunstbewegung.




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