Emile Gallé
An einem solchen Abend

An einem solchen Abend
Emile Gallé (1846-1904)
An einem solchen Abend
1894
Kristall, dreischichtig, Inklusionen von Metallsplittern (Gold und Platin), Schnittdekor, Gravur teils vergoldet
H. 13,3; Diam. 13,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean Schormans


An einem solchen Abend (Auschnitt)

Par une telle nuit [An einem solchen Abend]


Im Juni 1892 waren an der Opéra-Comique in Paris mehrere Aufführungen der Oper Die Trojaner in Karthago zu sehen. Die lyrische Dichtung von Berlioz stieß bei der Erstinszenierung 1863 auf heftige Ablehnung. Die Rehabilitierung ist der Société des grandes auditions musicales en France und deren Präsidentin, Gräfin Greffulhe, einer Kundin Emile Gallés, zu verdanken. Letzterer nimmt folglich an einer der Vorführungen teil und verleiht noch am selben Abend in einem Brief an die Gräfin seiner Begeisterung Ausdruck: „Ich verdanke Ihnen alle Errungenschaften meines Lebens: Die Trojaner von Berlioz [...] dieses kosmische, ergreifende Werk, das die Seele durch Ideen, Worte und Resonanzen verzaubert, die uns bis zur Grenze des auf Erden Wahrnehmbaren führen“.
Zwei Jahre später entsteht diese Schale. Gallé gravierte unter ihren Fuß den Satz „An einem solchen Abend…“, einen Auszug aus dem Duett von Didon und Enée im zweiten Akt. Gallé bezieht sich nicht auf die denkwürdige Nacht, auf die die beiden Figuren in ihrem Dialog anspielen. Der Glaskünstler kreiert eine Nacht, deren Schönheit durch nichts beeinträchtigt wird, die gleich der Musik Berlioz' an dieser Stelle harmonisch und melodiös ist. Der Glaskunst gelingt es mit den ihr eigenen Mitteln eine Anrufung der Nacht zu schaffen, einer gleichmäßig blauen Nacht, in der durch einen Schleier wilden Weins die Sterne und ihr Widerschein auf einem See funkeln.




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