Caran d'Ache
Infanterie setzt zum Sturm an

Infanterie mit Offizier an der Spitze setzt zum Sturm an
Caran d'Ache (1858-1909)
Infanterie mit Offizier an der Spitze setzt zum Sturm an
Zwischen 1886 und 1896
Silhouette aus Zink, ausgeschnitten und bemalt
H. 33,5; B. 84 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais


Infanterie mit Offizier an der Spitze setzt zum Sturm an
Aufmarschierende Gewehrschützen mit Offizier an der Spitze

Infanterie montant à l'assaut avec un officier en tête [Infanterie mit Offizier an der Spitze setzt zum Sturm an]


Man kann sich darüber wundern, dass diese ausgeschnittene Zinkplatte zu den Sammlungen des Musée d'Orsay gehört. Sie war Teil eines Schattentheaters und sollte nicht direkt gesehen werden, sondern vor einem von hinten beleuchteten Bildschirm aufmarschieren. Es ging folglich nicht um die Stofflichkeit des Werks sondern um die Projektion seines Schattens. Heute gilt diese Silhouette, die sich mit rund vierzig anderen im Besitz des Musée d'Orsay befindet, als eigenständiges Werk. Sie ist ein beredtes Zeugnis für das vielseitige künstlerische und literarische Leben im ausgehenden 19. Jahrhundert.
1886 entsteht dank der Initiative des jungen Zeichners Henri Rivière (1864-1951) ein neuartiges Schattentheater. Es feiert zehn Jahre lang im Chat noir, das von Rodolphe Salis (1851-1897) gegründet wurde und wo Künstler zusammen kommen, die abseits des offiziellen Kunstbetriebs tätig sein wollen, Triumphe.

Die Platte wurde in dem historischen Stück L'Epopée verwendet, der ersten Pantomime des neugegründeten Schattentheaters. Dieses „Ausstellungsstück” stellt die napoleonischen Kriegsszenen dar und rühmt den Heldenmut der Grande Armée [Große Armee]. Es ist von Erfolg gekrönt und wird zum meist gespielten Stück des Chat noir. Ab 1892 geht es sogar auf Tournee. Der Kritiker Jules Lemaître wies zu jener Zeit darauf hin, dass sich die Zinkplatten von L'Epopée durch „die genaue Perspektive der langen Soldatenreihen” auszeichnen. Caran d'Ache gelingt es auf diese Weise, „den Eindruck einer unendlich großen Anzahl” zu vermitteln. Auf dem Bildschirm bestehend aus einer weißen gespannten Leinwand wird so das Problem der Darstellung der Massen gelöst, mit dem sich das wirkliche Theater konfrontiert sah.




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