Jean Dampt
Kommode

Kommode
Jean Dampt (1853-1945)
Kommode
Um 1895
Eiche, geschnitzt, gebeizt, gewachst, Nussbaum und Pappel, Schmiedeeisen, ziseliertes Metall
H. 77,7; W. 47,6; T. 35 cm
© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandoswski


Kommode (Ausschnitt)

Chiffonnier [Kommode]


Bei diesem Möbelstück könnte es sich ohne weiteres um einen der ersten Entwürfe des ausgebildeten Bildhauers Jean Dampt auf dem Gebiet der Möbelkonstruktion handeln. Mit seiner Aktivität als Tischler folgt er dem Vorbild zwei weiterer Bildhauer, mit denen er befreundet ist: François-Rupert Carabin (1862-1932) und Alexandre Charpentier (1856-1909).
Das Möbelstück weist eine einfache Konstruktion aus Eichenplatten und übereinanderliegenden Schubladen auf. Der praktische Aspekt wird durch die Rollen hervorgehoben. Die einzige Verzierung: die schmiedeeisernen Griffe und die Schnitzereien. Doch der Reiz dieses Gegenstands liegt darin, dass es dem berühmten Dictionnaire raisonné du mobilier français von Eugène Viollet-le-Duc (1814-1879) entnommen scheint. Dampt, der mit dem mittelalterlichen Kulturerbe seiner Heimat Burgund vertraut ist, kennt dieses Werk gewiss.
Das Möbelstück besticht durch seinen neugotischen Stil mit dem allgegenwärtigen Motiv des zusammengefalteten Pergaments, das im 15. Jahrhundert für weltliche und religiöse Möbel sehr beliebt war. Auf den Schubladen zeichnet sich dieses Motiv durch seine relativ grobe Bearbeitung aus, auf den Seitenwänden dagegen durch seine zarte, leicht erhabene Faktur. Nach eingehender Untersuchung stellt sich heraus, dass diese Elemente wesentlich älter als die anderen sind. Folglich kann man annehmen, dass Dampt Teile einer gotischen Tür oder eines gotischen Schrankes verwendete.
Die geschnitzten Mäuse als Schubladengriffe bilden das reizvollste Stilelement der Kommode. Ihre naturalistischen Haltungen und Beschäftigungen – Neugierde, Angst, Knabbern, Toilette, Schlaf – erinnern an das mittelalterliche Bestiarium. Doch auch die japanische Kunst spielt eine Rolle, denn sie war es, die diese kleinen Nagetiere in allen möglichen Darstellungen verbreitete.




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