Henry van de Velde
Damensekretär

Damensekretär
Henry van de Velde (1865-1957)
Damensekretär
Modell aus dem Jahr 1897
Mahagoni aus Kuba (oder Santo Domingo), gesprenkelt, Originalleder
H. 91; B. 153,5; T. 65 cm
© ADAGP - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Damensekretär (Ausschnitt)

Ecritoire de dame [Damensekretär]


In dem 1899 in Brüssel von Henry van de Velde herausgegebenen Katalog der „Industries d'art et d'ornementation“ ist dieses Möbelstück in seiner Umgebung, einem vom Künstler eingerichteten Boudoir, abgebildet. Die Aufnahme wurde offensichtlich in einem Haus oder einer Wohnung aufgenommen. Bis heute ist nur dieses eine Exemplar bekannt. Vermutlich handelt es sich um ein Einzelstück oder zumindest wurden nur einige wenige Exemplare angefertigt.

Stilistisch gesehen gehört dieser Sekretär in die Anfangszeit der Möbelkreation von van de Velde. Es steht in der Tradition der Innenausstattung, die der Künstler 1895/1896 für sein eigenes Haus, Bloemenwerf in Uccle (Belgien), entwarf.
Ganz wie die zahlreichen Möbel für Bloemenwerf zeichnet sich der Schreibtisch durch seine strengen, anmutigen Formen aus, die Ausdruck der angestrebten „Funktionalität“ sind.

Das Möbelstück besteht aus verschiedenen, aneinander gesetzten Elementen, bar jeglicher Verzierung. Der Einfluss der japanischen Kunst ist erkennbar. Tatsächlich erinnern die scharfen Umrisse des Schreibtisches an so manches japanische Pochoir. Die Platte, die leicht nach außen gebogenen Beine und die Querleiste lassen an den Aufriss eines torii denken, jenen Portikus, der den Eingang zu einem Shintoschrein markiert.
Die schlichten, schmucklosen Fächer und Schubladen an den Seiten erinnern indes an die Kreationen der Arts and Crafts Bewegung, die van de Velde sehr schätzte und die dazu führte, dass sich der Künstler dem Kunstgewerbe zuwandte.




Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter