Charles Guillaume Diehl
Münzschrank

Münzschrank
Charles Guillaume Diehl (1811-1885), Jean Brandely (tätig zwischen 1867 und 1873), Emmanuel Fremiet (1824-1910)
Münzschrank
1867
Zeder, Intarsien aus Nussbaumholz, Ebenholz und Elfenbein, Struktur Eichen; Bronze und Kupfer, versilbert
H. 238; B. 151; T. 60 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda


Münzschrank (Ausschnitt)
Münzschrank (Ausschnitt)
Münzschrank (Ausschnitt)
Münzschrank (Ausschnitt)
Münzschrank (Ausschnitt)
Münzschrank (Ausschnitt)

Médailler [Münzschrank]


Der Möbeltischler Diehl, der eigentlich auf kleine Möbelstücke und Gegenstände spezialisiert ist, fertigte diesen gewaltigen Münzschrank für die Weltausstellung 1867 an. Der Entwurf der Form, der Intarsien und Bronze wird Brandely anvertraut, die Schnitzereien sind das Werk von Frémiet, während Diehl für die Furniere aus Zedernholz und Nussbaum sowie für den Intarsiendekor zuständig ist. Das Stück wird auf der Ausstellung sehr bewundert, doch es fällt schwer, den Münzschrank stilistisch einzuordnen. Er wird sowohl als „merowingischer Stil”, „gallisches Möbelstück” oder „gallisches Möbelstück im romanischen Stil” bezeichnet.

Doch das Objekt erhält seine Bedeutung durch den Bronzedekor. Für diese einmalige Arbeit auf dem Gebiet der Möbelkreation werden Frémiet seine Lieblingsthemen angeboten: Tiere und Soldaten. Das Flachrelief in der Mitte stellt den Triumph Merowechs nach der Niederlage Attilas auf den Katalaunischen Feldern dar. Frémiet hat angeblich Brandelys Projekt verändert, um die Tiere und nicht die Figuren in den Vordergrund zu stellen. Durch die Bronzeverzierungen des Rahmens kommt das Hauptmotiv verstärkt zur Geltung, insbesondere die Trophäe der fränkischen Waffen oberhalb der Tür, unter die sich Mistelzweige mischen. Einige Medaillen weisen wie auf den Münzschränken des 18. Jahrhunderts auf die Funktion des Möbelstücks hin.

Wahrscheinlich hoffte Diehl, diesen Schrank dem Kaiser zu verkaufen. Der patriotische Aspekt des Motivs könnte Napoleon III., der 1852 das Musée des Souverains gründete und eine Abteilung für merowingische Altertümer einrichtete, gefallen. Seine Hoffnungen werden indes enttäuscht. Der Tischer wird für dieses Möbelstück und für drei ähnliche, die er in jenem Jahr ausstellt, nur mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet, die er zurückweist. Seine Kreationen gelten zwar als die große Neuerung der Ausstellung, doch sie werden in der Folge keinerlei Einfluss ausüben.




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