Jean Carriès
Schreckensmaske

Schreckensmaske
Jean Carriès (1855-1894)
Schreckensmaske
Um 1891
Steingut, emailliert
H. 28; B 22,4 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda

Masque d'horreur [Schreckensmaske]


Die Schreckensmaske kann dank eines Artikels von Arsène Alexandre, der in Paris vom 24. Juni 1891 erschienen ist, datiert werden. In seinem Bericht über seinen Besuch in Montriveau (Nièvre), wo der Künstler Ofen und Atelierräume besitzt, beschreibt der Kritiker das Werk vor dem Brennen: „Diese grauenerregende Maske mit platt gedrücktem, faltigem Gesicht, hervorquellenden Augen, mit vor Wut nach unten gezogenem Mund, ist ein Albtraum”.
Die Maske entsteht zu einer Zeit, als Carries' Kunst von Ungeheuern bevölkert wird. Die Entdeckung der japanischen Kunst, die Masken des No-Theaters und die Porträts von Schauspielern inspirieren ihn zwar zu mehreren Porträts aus Steingut, doch sie ist nicht seine einzige Inspirationsquelle. Carriès wird auch von den grotesk anmutenden Figuren des Mittelalters, die Manuskripte und Kathedralen zieren, beeinflusst. Er beruft sich auch auf Bildhauer wie Messerschmidt, die sich mit der Physiognomie beschäftigen und sich sowohl mit den menschlichen Gesichtszügen als auch ihren Entsprechungen in der Tierwelt befassen. Carriès vermischt in seinen Gesichtern, die in einem Entwicklungsprozess begriffen scheinen, gern Mensch und Tier. Der starre Blick einer Medusa lässt den Betrachter regelrecht versteinern.

Carriès, der mit Leidenschaft neue Techniken entdeckt, begeistert sich für die Farbeffekte, die er dank unterschiedlicher Tonarten, Glasuren oder durch den Brand erzielen kann. Für die Schreckensmaske verwendet er einen hellbraunen Email mit gelblich-grünen Noten und rostfarbenen Effekten. Durch diese Oberflächenbehandlung wirkt das Stück noch Angst beklemmender und beeindruckender.




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