Mackay Hugh Baillie Scott
Sessel

Sessel
Mackay Hugh Baillie Scott (1865-1945)
Sessel
Um 1905
Birne, massiv, schwarz gefärbt, Zierleisten und Schnitzereien, Perlmutt- und Elfenbeinintarsien, Farbhöhungen
H. 188; B. 66; T. 62 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Sessel
Sessel
Sessel
Sessel (Ausschnitt)
Sessel (Ausschnitt)
Sessel (Ausschnitt)

Fauteuil [Sessel]


Hans Bacmeister, der damals als Spielleiter an der Dresdner Oper tätig war, gab zwei dieser prunkvollen Sessel - der zweite befindet sich auch im Musée d'Orsay – bei dem englischen Architekten Baillie Scott in Auftrag. Die beiden Sessel sind für Ehrengäste bestimmt.
Als Bacmeister nach Berlin zieht, um dort seine Tätigkeit bis in die dreißiger Jahre fortzusetzen, nimmt er die Sessel mit. Seine Tochter Hella Tulman-Bacmeister erbt die Sessel und bringt sie auf ihrer Flucht vor den Nazis mit nach Paris, wo sie sich Ende der dreißiger Jahre niederlässt.

In stilistischer Hinsicht ist dieses Stück von größtem Interesse. Es gibt einerseits eine Vorstellung von gewissen Strömungen der Art nouveau und andererseits von den Beziehungen, die die bedeutendsten Zentren dieser Bewegung zu einander unterhalten.
Schwarzes Mobiliar ist insbesondere bei Künstlern der Arts and Crafts Bewegung wie beispielsweise Baillie Scott sehr beliebt oder bei jenen, deren Werke sich durch geradlinige, geometrische Formen auszeichnen, die die orthogonale Bauweise des Möbelstücks und den Kontrast von Masse und Öffnung zur Geltung bringen (Charles Rennie Mackintosh in Schottland, Josef Hoffmann und Koloman Moser in Wien).
Die Anordnung der kleinen Säulen, die dem oberen Teil des Sessels ein Spitzbogenprofil verleihen, sowie die Skulpturen der seitlichen Tafeln lassen deutlich den neugotischen Einfluss erkennen. Doch der Künstler greift auch auf Vorbilder aus München und Darmstadt zurück (Richard Riemerschmid, Peter Behrens, Joseph Maria Olbrich): die gebogenen Füße des Möbelstücks, die sich nach oben strecken, erinnern an einen Baumstamm.
Auf der Rückenlehne ist die für Baillie Scott charakteristische Perlmuttrosette zu sehen, die er für zahlreiche Modelle in verschiedenen Variationen verwendet. Baillie Scott, einer der herausragendsten Vertreter der Arts and Crafts Bewegung, illustriert mit diesem Sessel, den künstlerischen Austausch zwischen Großbritannien und Deutschland um die Jahrhundertwende.




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