René Lalique
Sarah Bernhardt

Sarah Bernhardt (1844-1923)
René Lalique (1860-1945)
Sarah Bernhardt (1844-1923)
1896
Elfenbein
H. 10,5; D. 1,3 cm
© ADAGP - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda ; Thierry Le Mage


Sarah Bernhardt (1844, 1923)

Sarah Bernhardt


Am 9. Dezember 1896 feiert Sarah Bernhardt in Paris ihr dreißigjähriges Schauspieljubiläum. Im Grand Hôtel wird ein Bankett gegeben und anschließend eine feierliche Hymne angestimmt. Danach spielt die Schauspielerin im Théâtre de la Renaissance Auszüge aus Racine und Parodi. Zum Abschluss lauscht sie auf einem Thron in der Mitte eines Tableau vivant sitzend den Lobreden in Versform von fünf Dichtern.

Jeder Gast erhält ein Album mit Bildern und eine gravierte Silbermedaille von René Lalique mit dem Bildnis der Schauspielerin. Silbermünzen sind zwar sehr geläufig, doch dieses Exemplar aus Elfenbein ist unseres Wissens einmalig. Es wurde sichtlich nie gerahmt oder in ein Schmuckstück verarbeitet: folglich handelt es sich um eine echte Münze, die nur dazu geschaffen wurde, um in aller Ruhe betrachtet und angefasst zu werden. Vielleicht gravierte sie Lalique spontan für seinen Freund, den Maler Clairin, der damals der offizielle Liebhaber der Schauspielerin war. Sie gehört zu den Frühwerken Laliques, die Sarah Bernhardt ganz besonders schätzte.

Es gibt zahlreiche Porträts von Sarah Bernhardt, die meisten sind nur sehr mittelmäßig. Der Schriftsteller Henry James kritisierte ihren „oberflächlichen Glanz”. Dieses gravierte Profilbildnis von Lalique hingegen besticht durch seine außergewöhnliche Qualität. Als Vorlage diente ihm ganz offensichtlich eine Zeichnung von Walter Spindler, einem deutschen Maler, der in die Künstlerin verliebt war.
Er gab das Kraushaar der Schauspielerin sehr nuanciert wieder: die Strähnen sind fein aus dem weichen Elfenbein herausgearbeitet. Material und Motiv sind dank der subtilen Edelsteinschneidekunst vollkommen auf einander abgestimmt. Dieses im Werk Laliques einmalige Porträt ist ein herausragendes Beispiel für die Erneuerung der Medaillenkunst um die Jahrhundertwende.




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