Atelier Martine
Dreiteiliger Wandschirm

Dreiteiliger Wandschirm
Atelier Martine
Dreiteiliger Wandschirm
Um 1912
Applikationsstickerei auf Seide, bemaltes Holz
H. 143,8 cm; B. 147,5 cm
© ADAGP, Paris - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Paravent à trois feuilles [Dreiteiliger Wandschirm]


Dieses Werk illustriert die dekorativen Recherchen, die in der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg insbesondere im Modebereich durchgeführt wurden. Sie wurden oftmals übereilt als „eine Frühform des Art deco der Modeschöpfer” bezeichnet, doch im Grunde zeugen sie von der Suche nach einem neuen, eigenständigen Stil, der zwar noch den Einfluss des Art nouveau erkennen lässt, aber schon den Art deco ankündet.
Während eines Aufenthalts in Deutschland und Wien 1911 begeistert sich der berühmte Modeschöpfer Paul Poiret für die Schöpfungen der Wiener Werkstätte. Kurz nach seiner Rückkehr gründet er die Firma Martine, die für avantgardistische Kunden Möbel, Einrichtungsgegenstände und verschiedene Accessoires herstellt.

Der Dekor dieses Wandschirms – Kletterrosen mit riesigen Blüten, fallenden Blättern und Streumuster aus Punkten – zeichnet sich durch seine schlichte Klarheit aus. Herrliche Arabesken der Stiele und Rosen in Verbindung mit einer streng geometrischen Anordnung der Blüten in Dreiergruppen.
Die Stickereien und die schillernden Motive auf schwarzem Grund erinnern zwar an die Mode, aber eine Mode, die vom Theater beeinflusst ist, insbesondere von den russischen Ballets, die man 1909 in Paris sehen konnte. Der schwarze Untergrund der gold durchwirkten oder mit prächtigen roten Höhungen versehenen Stoffe sowie der mit Ebenholz furnierten Möbel, die mit Malereien oder Lack überzogen sind, kann zwar als Einfluss der Wiener Kunst gelten, doch sei daran erinnert, dass in der Inneneinrichtung um 1910 das chinesische Kabinett, bestickte Wandschirme und Lackarbeiten aus Japan wieder eingeführt wurden.




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