Hector Guimard
Sessel

Sessel
Hector Guimard (1867-1942)
Sessel
Um 1898
Nussbaum aus Amerika, modernes Polster
H. 116; B. 68; T. 52cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda


Sessel (Ausschnitt)
Sessel (Ausschnitt)

Fauteuil [Sessel]


1894 wird der junge und so gut wie unbekannte Guimard mit dem Entwurf des Castel Béranger, eines Mietshauses im 16. Arrondissement in Paris, beauftragt. Kaum war der Bau vollendet, als der Architekt 1898/1899 mehrere Aufträge für komplette Einrichtungen erhält. Er ist so ausgelastet, dass er unmöglich jedes Mal ein vollkommen neuartiges Mobiliar konzipieren kann. Die Sitzgelegenheiten des Hauses Coilliot in Lille, aus dem dieser Sessel stammt, des Hotels Roy in Paris oder des Castel Henriette in Sèvres weisen beispielsweise ähnliche Beine auf: Eine leicht geschwungene Diagonalzarge verbindet die Vorder- mit den Hinterbeinen.

Die Rückenlehne unseres Exemplars bildet ein ovales Medaillon, das entfernt an den Louis-Seize-Stil erinnert. Zwischen der Strebe der Rückenlehne und dem Vorderbein ist eine Diagonalzarge angebracht, die parallel zu der der Beine verläuft und an der die Armlehne befestigt ist.
Die Bauweise des Sessels wirkt im Vergleich zu den entsprechenden Stühlen weniger zufriedenstellend und zu demonstrativ. Er entbehrt der unvergleichlichen Pariser Eleganz, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts Guimards Kreationen auszeichnet. Vielleicht ist die ein wenig ungeschickte Silhouette des Coilliot Sessels darauf zurückzuführen, dass es sich um einen der ersten Sessel des Architekten handelt. Guimard hat der Struktur des Stuhls einfach nur Armlehnen hinzugefügt.
Nichtsdestotrotz ist dieses Stück charakteristisch für seinen Stil, der von Beginn an Naturalismus und Abstraktion miteinander vereint.




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