Charles-Guillaume Diehl
Nähtisch

Nähtisch
Charles-Guillaume Diehl (1811-1885)
Nähtisch
Zwischen 1878 und 1885
Birnbaumsockel, Intarsien aus verschiedenen Hölzern, patinierte und bemalte Bronze, Tuch und Polsterung, Spiegel, Kupfer
. 75; B. 43 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt


Nähtisch
Nähtisch
Nähtisch
Nähtisch
Nähtisch
Nähtisch
Nähtisch
Nähtisch

Table à ouvrage [Nähtisch]


Eine große Anzahl „französischer“ Schreiner stammt seit dem 18. Jahrhundert aus Deutschland. Das gilt auch für Charles-Guillaume Diehl, der sich 1840 in Paris niederlässt, wo er mit großem Erfolg seine Aktivität des Kunstschreiners und Kunstdrechslers ausübt. Stilistisch gesehen ist dieser Nähtisch genau zwischen diese für Diehl so typischen Bereiche einzuordnen. Nur mit Mühe kann dieses Exemplar als „Nähtisch“ bezeichnet werden, da die Deckplatte des Kastens mit einem Spiegel ausgestattet ist. Vielleicht handelt es sich auch um ein Möbelstück, das der weiblichen Koketterie diente und wo Bänder und andere modische Gegenstände aufbewahrt wurden. Der gepolsterte Boden kann jedoch auch als Nadelkissen verwendet werden, was das Aufnehmen der Nadeln erleichtert.

Der Aufbau und der Stil des Möbelstücks kündigen bereits den Jugendstil an. Die fünf geschwungenen Seiten des Kastens sind mit Marketerieplatten aus verschiedenen Hölzern dekoriert, auf denen Blüten- und Blätterranken abgebildet sind und sich Libellen und Schmetterlinge tummeln; eine meisterhaft durchdachte Komposition. Die Deckplatte schließt an das Naturalien- und Pflanzenrepertoire an, da die Entfaltung der Blüten und Blätter einer üppigen Blume im Zentrum stehen.
Den Fuß zieren drei Schildkröten, die beiden Extremitäten der drei Beine schmücken Bronzeverzierungen, auch hier dominiert das naturalistische Motiv: Blumen, Blätter und Insekten, deren Verismus durch die Bronzetöne hervorgehoben wird. Auf diese Weise werden erstaunliche Effekte optischer Täuschung erzeugt.

Die Ästhetik dieses kleinen Nähtischchens im Jahre 1878 ist als relativ revolutionär anzusehen, da sie mit dem zu dieser Epoche vorherrschenden ästhetischen Kanon im Bereich des Kunstgewerbes bricht. Aufgrund der Orientierung an japanischen Vorbildern und der Verwendung von Pflanzen- und Blumenmotiven, wie sie sich bald im Jugendstil entfalten wird, lässt sich an diesem Möbelstück hervorragend der wesentliche ästhetische Übergang der Jahre 1870-1880 ablesen.




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