Paul Hankar
Speisezimmertisch

Speisezimmertisch
Paul Hankar (1859-1901)
Speisezimmertisch
Um 1898
Eiche und Mahagoni
H. 78; B. 190; T. 110 cm
© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Thierry Ollivier

Table de salle à manger [Speisezimmertisch]


1897-1898 baut der Architekt Paul Hankar ein Stadthaus in der Rue Defacqz 48 in Brüssel. Auftraggeber ist die Witwe des reichen Aristokraten Vincent Ciamberlani aus Bologna.

Hankar hat völlige Handlungsfreiheit bei der Einrichtung des Speisezimmers, dessen nüchternes, majestätisches Aussehen übrigens an sein eigenes Speisezimmer erinnert.
Zwei Fotografien geben eine Vorstellung des Speisezimmers von Ciamberlani.
Alles ist sorgfältig durchdacht, damit der Raum dem Hauptmöbelstück den perfekten Rahmen bietet. Die Quadrate des Eichenparketts erinnern an das Schachbrettmuster der Tischplatte aus Mahagoni mit einer Einfassung aus Eiche, die ein orthogonal verlaufendes Geflecht bildet. Auch die Täfelung und die Kassetten der Decke sind aus Eiche und Mahagoni.
Das Muster der rechtwinklig angeordneten Hölzer, auf denen die schwere Platte ruht, erinnert an die Decke und das Gesims des Büffets sowie an die Motive der Täfelung.
Doch insbesondere die Tischbeine sind sehr ungewöhnlich. Sie allein bilden eine eigenständige architektonische „Ordnung“. Es sind kegelförmige Säulen, deren Sockel Schaftringe zieren und die mit Kapitellen bekrönt sind. Der Zwischenträger bildet eine Art Gitter aus Mahagoni, das auf japanische Vorbilder zurückgreift und an verschiedene von Hankar entworfene Kunstschmiedearbeiten erinnert. Es findet seine Entsprechung in der Gestaltung des Treppengeländers innerhalb des Stadthauses.

Dieses außergewöhnliche Möbelstück zeugt von dem Erfindungsreichtum Paul Hankars, der als einer der bedeutendsten Erneuerer der belgischen Architektur in den 1890er Jahren und als einer der größten Meister des Jugendstils gilt.




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