Georges Rey (zugeschrieben)
Tag und Nacht

Tag und Nacht
Georges Rey (zugeschrieben)
Tag und Nacht
Zwischen 1900 und 1906
Ahorn und Sykomore, Intarsien aus verschiedenen Hölzern
H. 130; B. 89 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Le jour et la nuit [Tag und Nacht]


Im Katalog einer Versteigerung, die 1970 in Versailles stattfand, steht, der Sessel „soll Sarah Bernhardt gehört haben”. Diese mündliche Überlieferung wurde bis jetzt nicht bestätigt, doch die Verbindung des Namens der berühmten Schauspielerin mit diesem Möbelstück symbolisiert den Einfluss, den letztere auf die angewandte Kunst ausübte. Die Tatsache, dass der mutmaßliche Autor, ein Möbeltischler oder Holzbildhauer namens Georges Rey, so gut wie nicht bekannt ist, lässt den Gegenstand noch geheimnisvoller erscheinen.

Das gesamte Möbelstück ist mit Schnitzereien verziert. Ein Geflecht aus Astwerk und Wurzeln breitet sich von den Füßen über die Arm- und Rückenlehne aus und bildet eine Art floralen Schrein für die Person, die darin Platz nimmt. Die Sonnenblume links oben erinnert daran, dass diese Blume für manche Innenarchitekten von großer Bedeutung war. In diesen üppigen organischen Formen glaubt man bisweilen, auch die Rundungen eines weiblichen Körpers oder Fabeltiere zu erkennen.
Die Maus und Schnecke am unteren Teil des Sessels weisen darauf hin, dass seit der Verbreitung der japanischen Holzschnitte, diese kleinen Tiere sowie auch Insekten häufig auf europäischen Kunstgegenständen anzutreffen sind.
Tag und Nacht spiegelt die Begeisterung für neue florale und pflanzliche Formen sowie eine bisher unbekannte Ornamentik wider. Diese Vorliebe war bezeichnend für zahlreiche Möbeltischler der Art nouveau wie Gallé, Vallin oder Majorelle, doch hier wird diese Kunst zu einem nahezu barock anmutenden Höhepunkt geführt, der seinesgleichen sucht.




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