Paul Gauguin
Seid geheimnisvoll

Seid geheimnisvoll
Paul Gauguin (1848-1903)
Seid geheimnisvoll
1890
Flachrelief, Lindenholz, polychrom
H. 73; B. 95; T. 5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean Schormans

Soyez mystérieuses [Seid geheimnisvoll]


Diese Rückenansicht, eine der schönsten, die es in der Bildhauerei gibt, wurde von Gauguin in Lindenholz geschnitzt, sie erinnert an den Körper einer Tahitianerin. Die Farbe des Holzes und die Formen verweisen auf die Einwohnerinnen der pazifischen Inseln. Das Relief entstand indes schon vor Gauguins erster Reise nach Ozeanien. Aus seinem Brief, den er im September 1890 an den jungen Maler Emile Bernard schrieb, erfahren wir, dass er dieses Relief in Pouldu als Pendant zu Seid verliebt und ihr seid glücklich, das sich heute im Museum von Boston in den Vereinigten Staaten befindet, schuf.

Gauguin setzt bewusst Symbole ein, um die Ausdrucksstärke der sogenannten primitiven Künste, die er in seiner Kindheit in Peru und später in Frankreich bei seinem Privatlehrer Gustave Arosa und auf den Weltausstellungen in Paris gesehen hat, wieder zu finden. Oben rechts der flache Kopf des Mondes mit dem von vorn dargestellten ägyptischen Auge. Unten links der Kopf der kleinen Bretonin, die einer Kreuzigung entnommen scheint und deren hieratische Geste an den Buddhismus erinnert. Die Pflanzenornamente in der unteren rechten Ecke kündigen schon den Jugendstil an.

Auf dem Salon des XX in Brüssel 1891 wird das Relief als „extreme Farce“ bezeichnet, die „die Grenzen der Unsinnigkeit überschreitet“ und Gauguin als „Maler pornografischer Bilder“. Es wurden weder die Flachreliefs noch die vereinfachten Formen noch die Polychromie oder die ausdrückliche Botschaft der Inschrift „Seid geheimnisvoll“, die einen Kontrast zu dem primitiven Zeitalter bildete, als man die Schrift noch nicht kannte. Gauguins Anliegen ist es, das Interesse jener zu erwecken, die „in den geheimnisvollen Kern der Gedanken jenseits der äußeren Erscheinungen vordringen wollen“.




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