Antoine Bourdelle
Der Kopf des Apollos

Der Kopf des Apollos
Antoine Bourdelle (1861-1929)
Der Kopf des Apollos
Zwischen 1900 und 1909
Bronze
H. 67,4 ; B. 27,2 ; T. 25,3 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Tête d'Apollon [Der Kopf des Apollos]


Der Kopf des Apollos ist die vollendete Version einer Studie, die Bourdelle 1900, als er noch bei Rodin als Assistent arbeitete, begonnen hatte. Zu dieser Zeit sucht Bourdelle nach einer eigenständigen Richtung. Er will sich von der expressionistischen Romantik seines Meisters abwenden. Sein Kopf des Apollos kündigt die Entwicklung eines neuen Stils und die Rückkehr zur Antike an. Viele Jahre später erklärt der Künstler seinen Ansatz: „Ich wollte den zufälligen Aufbau vermeiden, ich suchte nach einem festen Rahmen. Mir kam es auf die wesentliche Struktur an, flüchtige Bewegungen waren zweitrangig. Ich wollte im Einklang mit dem universellen Rhythmus sein”.

Diese Entwicklung ist mit großen Schwierigkeiten verbunden. Von Zweifeln und Krankheit gequält und aufgrund fehlender Aufträge verliert Bourdelle den Mut. Erst später wird er sich wieder dem getrockneten, beschädigten Ton widmen und die Modellierung anhand von Gipsabgüssen erneut aufnehmen. Er vollendet die Skulptur 1909. Die Spuren dieses chaotischen Schaffensprozesses sind sichtbar geblieben: Sprünge, Nähte, Verstümmelungen… 

Als der Künstler das Werk Rodin präsentiert, ist dieser „zutiefst betroffen. Er sah mit eigenen Augen den Bruch, den er mir nicht verzieh”. Bourdelle hatte seinen eigenen Stil gefunden: Rodin analysiert, betont die Schatten und Vorsprünge, während sich Bourdelles Skulpturen durch ihre synthetischen, vereinfachten Formen auszeichnen. Vielleicht war Bourdelle von Rodins Reaktion so sehr schockiert, dass er von einem Drama und der „Einsamkeit des Bildhauers” spricht. Er verleiht dem Kopf des Apollos auch eine autobiografische Dimension: „Diese Skulptur ist Ausdruck meines Lebens: Der eine Teil ist vollendet, der andere in Bearbeitung. Unruhig, streng, frei von Vergangenem und Gegenwärtigem”. Das Werk bleibt noch zehn Jahre verborgen, erst dann gibt Bourdelle die Genehmigung für Reproduktionen. Doch wie dem auch sei, dieses Werk bildet einen Wendepunkt in seiner Laufbahn: „eines meiner ersten Werke, eines jener Werke, die das ausdrücken, was ich wiedergeben wollte”.




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