Auguste Rodin
Der Winter

Der Winter
Auguste Rodin (1840-1917)
Der Winter
Um 1890
Marmor
H. 51; B. 34; T. 19 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Der Winter
Der Winter

L'Hiver [Der Winter]


Auf dem linken Pfosten der Höllentor, mit der Rodin 1880 beauftragt wurde, ist eine alte, ausgezehrte Frau im Flachrelief dargestellt. Doch wer griff einige Jahre später zuerst auf dieses Motiv zurück? War es Jules Desbois (1851-1935), der für die 1887 begonnene Gruppe Der Tod und der Holzfäller (das Werk ist verschwunden) eine Italienerin Modell stehen ließ? War es Rodin? Eine allgemein bekannte Anekdote erzählt, letzterer habe dieses Modell bei Desbois gesehen und sei so von ihr beeindruckt gewesen, dass er sowohl die alte Frau als auch das Modell übernommen habe. Dieselbe alte Frau soll auch für Camille Claudels Clotho (Torso im Musée d'Orsay) und für die alte Frau der autobiografischen Skulpturengruppe Reifes Alter (Musée d'Orsay), die den Mann in den Tod reißt, als Modell gedient haben.

1892 geht ein Bronzeexemplar von Rodins Skulptur unter dem Titel Die einst schöne Helmschmiedin, zu der ihn ein Gedicht von François Villon (um 1431-nach 1463) inspiriert hatte, in das Musée du Luxembourg ein. Die Marmorversion des Musée d'Orsay wurde von Victor Peter (1840-1918), einem Gehilfen Rodins, ausgeführt. In einem Brief vom 17. Januar 1890 drückt er dem Meister gegenüber seinen Wunsch aus „den nackten, markanten, faltigen Körper eines Greises [...] herauszumeißeln, dies käme in gewisser Weise, wenn ich so sagen darf, einem marmornen Abguss nach der Natur gleich [...], wie beispielsweise der Torso der alten Frau, den ich gestern bei Ihnen gesehen habe”. In den folgenden Monaten arbeitet Peter an dem Marmor und seine Korrespondenz mit Rodin lässt seine Ungeduld erkennen, den Fortgang seiner Arbeit dem Meister zu zeigen. Am 14. Januar kritzelt Rodin auf eine Visitenkarte folgende kurze Mitteilung an Peter: „Ich habe die Greisin verkauft / Ihr R”.




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