Honoré Daumier
Ratapoil

Ratapoil
Honoré Daumier (1808-1879)
Ratapoil
Um 1851
Bronzestatuette, patiniert
H. 43,5; B. 15,7; T. 18,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Ratapoil

Ratapoil


Zwischen März 1850 und Dezember 1851 veröffentlicht Daumier in Le Charivari rund dreißig Lithografien von einer Figur, die den „zwielichtigen Beamten, den unermüdlichen Gehilfen der napoleonischen Propaganda” verkörpert. Als überzeugter Republikaner greift Daumier die Propaganda an, die einige Wahlvertreter zu Gunsten Louis-Napoleon Bonapartes übermitteln. Der Prinz-Präsident, der 1848 für vier Jahre an die Spitze der Zweiten Republik gewählt worden war, organisiert derzeit eine Kampagne für sich. Die Gefahr einer Wiederherstellung des Kaiserreichs ist groß.
Die Spitzname Haarige Ratte taucht am 12. August in Le Charivari zum ersten Mal auf. Schon 1875 wird er in den Grand Dictionnaire universel du XIXe siècle aufgenommen: „aus RatteMitHaar. Umgangssprachlich. Anhänger des Militarismus, insbesondere des napoleonischen Caesarismus”.

Daumier modelliert seine Figur vermutlich im März 1851. Die übertriebenen, unausgewogenen Volumina, die zerbrechlich und kraftvoll zugleich sind, verleihen dem Werk eine subversive Gewalt, die den politischen Machenschaften entspricht.
Den Höhepunkt bildet neben der übersteigerten Wölbung des Rückens, den verknitterten Falten der Hose und des Gehrocks der satanische Gesichtsausdruck der Figur. Die Gesichtszüge von Ratapoil sind zwar keine getreue Karikatur des Prinz-Präsidenten, doch der Schnurrbart im Stile des Kaisers, das Emblem des Feindes, fällt sogleich ins Auge.
Ratapoil, der sich durch seine Moderne auszeichnet, bricht mit den Kategorien der Skulptur um 1850 und kündet schon den Expressionismus an. Mit dieser skrupellosen Statue zieht Daumier eine unbarmherzige, pessimistische Bilanz über die schmutzigen Geschäfte der Politiker.




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