Jean Escoula
Der Schmerz

Der Schmerz
Jean Escoula (1851-1911)
Der Schmerz
Um 1890
Gips, patiniert
H. 42; B. 37; T. 34 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda


Der Schmerz
Der Schmerz

La Douleur [Der Schmerz]


Jean Escoula arbeitet zugleich als Gehilfe für zwei der bedeutendsten Bildhauer des 19. Jahrhunderts, Jean-Baptiste Carpeaux und Auguste Rodin, und als eigenständiger Künstler.

Die Skulptur Der Schmerz ist der Gruppe Der Tod der Procris entnommen, deren Gipsfassung 1890 auf dem Salon de la Société des artistes français präsentiert wird. Zu diesem Sujet inspirierte ihn die griechische Mythologie: Procris wird mit Cephalus verheiratet. Die eifersüchtige Gattin versteckt sich im Gebüsch, um ihren Mann bei der Jagd zu beobachten. Letzterer verwechselt sie mit einem Wild und tötet seine Geliebte mit seinem Speer. Escoula stellt hier den Kopf des Cephalus dar, als er sich seines schrecklichen Irrtums bewusst wird.

Der Bildhauer widmet sich hier einer akademischen Übung: dem „Ausdruckskopf”. Jeder Schüler der Ecole des Beaux-arts von Paris erlernte damals, den Leidenschaften Ausdruck zu verleihen. Graf von Caylus hatte 1760 sogar einen Wettbewerb eingeführt, auf den sich die Schüler beharrlich vorbereiteten. Dieser Schmerz ist der Medusa von Canova (1757-1822) und zeitgenössischen Skulpturengruppen nachempfunden: dem ältesten der Kinder des Ugolin von Carpeaux (1860) und dem jungen Pierre de Wissant der Bürger von Calais von Rodin (1885-1886).

1898 wird von dem Schmerz in der Gießerei Sio-Decauville ein Kunstguss in Bronze angefertigt. Bei dem Exemplar des Musée d'Orsay handelt es sich indes nicht um einen Kunstguss. Die Spuren weisen darauf hin, dass der Gips nach dem Abguss noch mit dem Spachtel bearbeitet wurde. Man kann sogar die Fingerabdrücke des Modellierers erkennen. Folglich handelt es sich um eine Zwischenphase des Schaffensprozesses, die ein beredtes Zeugnis von der Arbeit des Künstlers ablegt.




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