Leonardo Bistolfi
Die Wiege

Die Wiege
Leonardo Bistolfi (1859-1933)
Die Wiege
1906
Gipsrelief
H. 43,1; B. 40; T. 2 cm
© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le berceau [Die Wiege]


Bistolfi fühlt sich zu einem spirituell geprägten Symbolismus hingezogen. Er widmet einen Großteil seiner künstlerischen Tätigkeit der Realisierung von Grabmälern, in denen er die Angst vor dem Tod und das Geheimnis des Jenseits behandelt. Man bezeichnete ihn als „Bildhauer des Schmerzes“.

Die Wiege ist eines der Reliefs, die das Monument der Schlacht von Madonna di Campagna (1706) zierten, das bei Bistolfi für den Ort der Gefechte in Auftrag gegeben worden war. Es wurde 1906 eingeweiht und während des Zweiten Weltkriegs vollständig zerstört.

Dieses Werk unterscheidet sich jedoch grundlegend von den anderen Reliefs des Monuments: Der Totengräber, Die Aussaat, Die Ernte werden von einem mit Meunier vergleichbaren sozialen Realismus geprägt. Die Behandlung dieses Reliefs ist indes konzis und wenig ausschweifend, es erinnert an die Werke der Wiener Sezession. Die verschiedenen Ebenen werden nicht nur angedeutet sondern klar abgegrenzt, die Körper sind nicht in Schatten gehüllt sondern solide geformt, es geht eine verhaltene Sensibilität von ihnen aus. Der Künstler verzichtet auf jedweden flüchtigen Ausdruck, er löst sich von der Darstellung von Traum und Imaginärem. Durch die einfache Behandlung der Formen wird eine poetische Interiorität spürbar.

Das Musée d’Orsay besitzt nur sehr wenige Werke von italienischen Bildhauern; zu den bedeutenden Skulpturen gehören zwei Werke von Medardo Rosso und der Bugatti-Fonds. Durch den Erwerb dieses Reliefs wurde eine andere Facette des italienischen Kunstschaffens um 1900 in die Sammlungen eingeführt.




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