Jules Desbois
Männertorso

Männertorso
Jules Desbois (1851-1935)
Männertorso
Um 1934
Statuette, Terrakotta
H. 128; B. 105; T. 90 cm
© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean-Pierre Lagiewski

Torse d'homme [Männertorso]


Desbois hatte von 1884 bis 1914 mit Rodin zusammengearbeitet. Seine frühen Werke stehen in der Tradition von Rodins Die einst schöne Helmschmiedin (1887) und Camille Claudels Clotho (1893). Bezeichnend für seine Gruppe Der Tod und der Holzfäller (1890, heute zerstört) und seine Statue Das Elend (1894-96) ist sein realistischer Miserabilismus. Allmählich findet er zu einer eigenständigen expressionistischen Ausdrucksweise, in die er Rodins wesentlichste Erfindung aufnimmt: das Fragment als eigenes Werk. Als Vorlage für diesen Torso aus Bronze, der von Alexis Rudier 1935 vergoldet wurde, diente dem Künstler Der Felsen des Sisyphus aus dem Jahr 1908 (Gruppe aus Stein, die sich heute im Musée Jules Desbois, dem Geburtshaus des Bildhauers in Parcay-les-Pins, in der Nähe von Tours, befindet). Auf dem Salon von 1934 ist der Gipstorso, das Werk eines 84-jährigen Bildhauers, der eindeutige Höhepunkt der Ausstellung.

Der Erfolg dieses Werks ist darauf zurückzuführen, dass es die Erinnerung an den Torso vom Belvedere wieder lebendig machte, eine verstümmelte antike Statue, die in der Renaissance wiederentdeckt wurde und so große Bewunderung hervorrief, dass selbst Michelangelo eine Rekonstruktion abgelehnt hätte. Für das damalige Publikum bedeutete die Übernahme einer bekannten Form, die in einer entgegengesetzten stärkeren Drehung dargestellt wurde, eine Rückbesinnung auf die grundlegenden Werte. Alles wirkt darauf hin, die größtmögliche Willensstärke auszudrücken: die kraftvolle Torsion, die virtuose Gestaltung der kraftgeladenen Muskeln. Die Vergoldung verleiht den Volumina Dichte und Klarheit. Der Künstler war auch ein sehr schöpferischer Dekorateur, dessen Zinnreliefs die Sammlungen für Kunstgegenstände maßgeblich bereichern.




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