Vincenzo Gemito
Wasserträger

Acquaiolo [Wasserträger]
Vincenzo Gemito (1852-1929)
Acquaiolo [Wasserträger]
1881
Bronze, vermutlich vom Künstler gegossen
H. 53,6; B. 21,3 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Acquaiolo [Wasserträger]

Acquaiolo [Wasserträger]


1877 stellt der Italiener Gemito auf dem Pariser Salon eine Skulptur aus, die einen jungen Fischer darstellt (Il Pescatore, Bronze in Florenz, Museo Nazionale del Bargello). Der Erfolg dieses Werks ist so groß, dass der Künstler sich weiterhin diesem Genre widmet und seine Modelle immer ausdrucksvollere Posen einnehmen lässt. Der erotische Anklang der nach vorn geneigten Körperhaltung dieses scugnizzo – der Spitzname der Kinder von Neapel - , seines Lächelns und seiner lockendenden Geste ist nicht zu übersehen. Der Bildhauer stellt zwar eine realistische Straßenszene dar: einen lebendigen Dialog zwischen einem Wasserverkäufer und einem durstigen - unsichtbaren – Kunden, doch das nackte Kind sowie der Sockel in Form eines mit einem Maskaron verzierten Brunnens sind der Tradition der römischen Antike verpflichtet. In dieser Anleihe liegt die Erotik der Skulptur begründet.

Gemito fertigt diese Statue in seiner Heimatstadt Neapel an, in die er nach einem längeren Aufenthalt in Paris zurückgekehrt ist. Eine erste Fassung, die schamhaft mit einer Unterhose bekleidet wurde, ist für Francesco II., den König von Neapel, der sich in Paris im Exil befindet, bestimmt.

Gemito zählt zu den sogenannten „neuflorentinischen” Bildhauern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denen die italienische Renaissance, insbesondere die Skulpturen von Verrocchio, Donatella und Giambologna als Vorbild dienten. Dieses Werk steht in der Tradition des Tarantella tanzender Fischer von Francisque Duret (Louvre) und des Junger neapoletanischer Fischer von Rude (Louvre). Doch es erinnert auch an die grazilen Körper der Faunen der antiken römischen Bildhauerkunst, die man in den Ruinen der prachtvollen Villen von Pompeji und Herculaneum gefunden hatte.




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