Otto Wagner
Schrank: Die Zeit

Schrank: Die Zeit
Otto Wagner (1841-1918)
Schrank: Die Zeit
1902
Buche, schwarz lackiert und Aluminium
H. 207; B. 234; T. 52 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda

Armoire : Die Zeit [Schrank: Die Zeit]


Schon Otto Wagners erste Möbelstücke in den 1880er Jahren, einer Epoche, in der die Ornamentik allgegenwärtig ist, zeichnen sich durch großzügige Volumina und sparsamen Dekor aus. Mit seinen Vorlesungen an der Akademie der Schönen Künste in Wien wird Wagner die theoretischen und praktischen Richtlinien für das zeitgenössische Wiener Mobiliar schaffen. Die Form eines Möbelstücks oder eines Gebrauchsgegenstands wird seiner Ansicht nach durch seine Funktion und das verwendete Material bestimmt. Die schlichte Verzierung dient nur dazu, die Konstruktion zur Geltung zu bringen.

1902 wird Wagner mit dem Bau der Presseagentur der Zeitung Die Zeit in der Nummer 32 der eleganten Kärntnerstraße beauftragt. Für diesen Anlass entwirft er eine mit Glas und Aluminium verkleidete Fassade, die als Manifest der Wiener Moderne gilt. Auch die Möbel der Agentur, darunter dieser Schrank, wurden von ihm gestaltet.
Als Vorbild dient Wagner nicht die elitäre Ästhetik der Arts and Crafts Bewegung, auf die sich Hoffmann und Moser 1903 für die Wiener Werkstätte berufen, sondern wie Loos wendet er sich den Werkstoffen und Techniken der Industrie zu. Er verzichtet auf jegliche überflüssige Ornamentik. Einzig die zusammengefügten dunklen Holzplatten und die Aluminiumstangen lockern die Oberfläche auf und bringen die Bauweise zur Geltung. Dieser Schrank wirkt wie ein Modell für das Mobiliar, das Wagner in den folgenden Jahren für die Räume der Postsparkasse (1904-1906) entwerfen wird. Es legt Zeugnis davon ab, wie sehr seine Möbelstücke untrennbar mit seinen architektonischen Kreationen verknüpft sind.


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