Edouard Manet
Berthe Morisot mit Veilchenstrauß

Berthe Morisot mit Veilchenstrauß
Edouard Manet (1832-1883)
Berthe Morisot mit Veilchenstrauß
1872
Öl auf Leinwand
H. 55; B. 40 cm.
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Berthe Morisot au bouquet de violettes [Berthe Morisot mit Veilchenstrauß]


Der französisch-preußische Krieg und die Kommune haben Edouard Manet zutiefst geprägt. Da er in Paris geblieben war, diente er in der Nationalgarde, wodurch seine künstlerische Tätigkeit zwangsläufig zurückging. Gegen Ende des Jahres 1871 beginnt er wieder zu malen und nimmt mit seinen früheren Modellen Kontakt auf. Eine davon ist Berthe Morisot, eine junge Malerin, mit der er eng befreundet ist und die wenige Jahre später einen seiner Brüder heiraten wird.

Statt der gleichmäßigen Beleuchtung, die er für seine Porträts verwendet, richtet Manet hier ein grelles, seitliches Licht auf sein Modell, so dass der Eindruck entsteht, Berthe Morisot bestehe nur aus Licht und Schatten. Er stellt sie mit schwarzen Augen - in Wirklichkeit waren sie grün - schwarzer Kleidung und Kopfbedeckung dar. Dies ist gewiss die passendste Weise, die „spanische“ Schönheit, die schon bei ihrem ersten Aufritt in Manets Werk auffiel.
Diese erhabene Variation zur Farbe Schwarz ist ein erneuter Beweis für Manets Virtuosität. Vielleicht will er seiner jungen Schülerin aber auch einen Fingerzeig geben, indem er sie auf die erstaunliche Ausdruckkraft dieser Farbe hinweist, während sie eine immer hellere Palette verwendet und sich dem Impressionismus zuwendet.

Dieses merkwürdige, betörende Porträt gilt innerhalb kurzer Zeit als eines seiner Meisterwerke. Auch Paul Valéry ist des Lobes voll und schreibt 1932 im Vorwort des Katalogs der Retrospektive in der Orangerie: „Keines anderes Werk kommt dem Porträt von Berthe Morisot aus dem Jahr 1872 gleich“.

Manet-Dossier


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