Jan Kastner
Stuhl

Stuhl
Jan Kastner (1860-1912)
Stuhl
Um 1899
Nussbaum, mit Zierleisten und Schnitzereien
H. 112; B. 70 ; T. 51 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Modello di sedia
Stuhl (détail)

Chaise [Stuhl]


Auf der Weltausstellung in Paris 1900 sind zwei Salons des österreichischen Pavillons für die Regionen, die die zukünftige Tschechoslowakei bilden werden, bestimmt. Jene haben zum ersten Mal die Erlaubnis erhalten, ihr Kunstschaffen eigenständig zu präsentieren. Jan Kastner, der Direktor der Abteilung für Holz der Hochschule für Kunstgewerbe in Prag, schuf das Modell dieses Stuhls für diesen Anlass.

Dieses Exemplar ist eine Variante der 1900 ausgestellten Stühle. Die Motive auf der Rückenlehne jener Stühle wiesen Höhungen aus Farbe, Perlmutt und Kupfer auf. Wurde aus Kostengründen eine weniger „teure” Serie hergestellt? Oder war es der Wunsch nach Schlichtheit und Ursprünglichkeit? Wir wissen es nicht. Wir stellen nur fest, dass dieses Werk ganz besonders reizvoll ist. Es besticht durch seine überraschend kühne Mischung aus gelehrter und volkstümlicher Kunst.
Die Form insgesamt, die runde Sitzfläche auf drei Beinen und die leicht schräge, durchbrochene Rückenlehne erinnern unweigerlich an Bauernstühle. Doch der präzise Zuschnitt, die architektonisch anmutenden einzelnen Elemente sowie die Einfügung des Sitzes in die Lehne erinnern an die bald massiven, bald durchbrochenen Bestandteile des chinesischen Mobiliars.
Die Schnitzereien der Rückenlehne lassen ein weibliches Gesicht und Pflanzendekor erkennen. Diese Verbindung ist ein charakteristisches Stilelement der europäischen Art Nouveau. Die Maske in Vorderansicht, die von zwei vollkommen symmetrischen Pflanzenstielen gerahmt wird, erinnert an die Kreationen von Wien und Glasgow. Die Kopfbedeckung aus zwei schmalen, gewundenen Bändern, die in einem Ring enden, verweist auf den altgriechischen Einfluss in der Wiener Sezession.


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