Michel De Klerk
Stuhl für einen Speisesaal

Stuhl für einen Speisesaal
Michel De Klerk (1884-1923)
Stuhl für einen Speisesaal
Um 1915
Honduras Mahagoni
H. 109,5; B. 49; T. 54 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda


Stuhl für einen Speisesaal
Stuhl für einen Speisesaal
Stuhl für einen Speisesaal (Ausschnitt)

Chaise de salle à manger [Stuhl für einen Speisesaal]


Michel De Klerk, einer der herausragenden Vertreter der Amsterdamer Schule, ist dem rationalistischen, neugotischen Stil Viollet-le-Ducs verpflichtet. 1913 beginnt er mit seinem ehrgeizigsten Projekt: dem Wohnblock Eigen Haard in einem Amsterdamer Vorort. Der Komplex zeichnet sich durch riesige Backsteinblöcke mit abgerundeten Ecken aus, deren mit Gittern und abstrakten Motiven verzierte Fassaden spitzbogige Fenster und Türen aufweisen.

Diese Dynamik ohnegleichen von Eigen Haard, die sowohl an mittelalterliche Kathedralen und Festungen als auch an nordische Schiffe erinnert, zeichnet auch die von De Klerk entworfenen Möbel aus. 1915 beauftragt ihn ein holländisches Geschäft für „modernes” Mobiliar mit der Ausführung eines Speisezimmers und eines Salons, aus dem dieses Modell stammt.
Der Stuhl weist Ähnlichkeit mit den gewaltigen Volumina und der vollendeten Linienführung der Türme, Balkone und Kamine von Eigen Haard auf. Die Form entsteht aus der Verbindung parabolischer, trapezförmiger und dreieckiger Elemente, die den Stuhl trotz des stabilen Sitzes erstaunlich dynamisch erscheinen lassen. Die Kreation besticht durch ihre zweckmäße Erscheinung, doch die kühnen dekorativen Elemente – die Spitzen der hinteren Beine -, die höchstwahrscheinlich der Kunst des Mittelalters verpflichtet sind, muten geheimnisvoll, wenn nicht gar feindselig an. Angesichts dieser verblüffenden Formen verglich Wijdeveld, ein Theoretiker jener Epoche, das Mobiliar mit „einem düsteren Musikstück in Moll”.


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