Georges Seurat
Zirkus

Zirkus
Georges Seurat (1859-1891)
Zirkus
1890-1891
Öl auf Leinwand
H. 185; B. 152 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Cirque [Zirkus]


Zirkus ist nach Parade und Can-Can das dritte Bild, das Seurat den Attraktionen der modernen Stadt und den nächtlichen Veranstaltungen widmet. Insbesondere Renoir, Degas und Toulouse-Lautrec beschäftigten sich in den 1880er Jahren gern mit diesem Motiv. Seurats Zirkus gilt als eines der herausragendsten Zeugnisse des Divisionismus. Seurat interpretiert auf diesem Gemälde die Theorien von Charles Henry bezüglich der psychologischen Wirkung von Linie und Farbe sowie die von Chevreul und Rood formulierten Gesetze über die optische Mischung von Farben. Ein Kritiker äußert sich folgendermaßen zu dem Gemälde, als es 1891 auf dem Salon des Indépendants präsentiert wird: „Das Gemälde Zirkus zeichnet sich durch seine Harmonie aus, durch die Analogie gegensätzlicher Elemente, die heitere Empfindungen auslösen: aufsteigende Linien, kontrastierende Farbtöne, Dominanz von Orangetönen, die durch einen Rahmen, dessen Töne und Farbgebung mit dem Ensemble kontrastieren, verstärkt wird…”.
Zwei Räume stehen nebeneinander: die Manege mit den Artisten, die sich durch ihre geschwungene Linienführung, die stilisierten Arabesken und Spiralen auszeichnet, die Wirkung ist dynamisch und leicht unausgewogen; und die Sitzreihen mit den Zuschauern zeichnen sich durch ihre rechtwinklige, starre und streng geometrische Komposition aus. Auch die Aufeinanderfolge der Farben unterliegt genauen Gesetzen: die Farbe Weiß, die Farbe des reinen Lichts, beherrscht die Leinwand. Es folgen die drei Primärfarben: Rot, Gelb und Blau, deren kleinen, systematisch aufgetragenen Striche den Rhythmus der Linienführung widerspiegeln. Seurat isoliert sein Gemälde durch einen dunklen, direkt auf die Leinwand gemalten Rand und durch einen Rahmen im selben Blauton, der fester Bestandteil des Werks ist. Mit diesem unvollendeten Gemälde – der Maler stirbt wenige Tage nach Eröffnung des Salons an einer Rachendiphterie – gelingt Seurat eine Symbiose zwischen einer künstlerischen Kreation und einer wissenschaftlichen Studie, die im Einklang mit den Zielsetzungen des 19. Jahrhunderts steht.


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