Edgar Degas
Der Absinth

Dans un café, dit aussi L'absinthe [Der Absinth]
Edgar Degas (1834-1917)
Dans un café, dit aussi L'absinthe [Der Absinth]
1873
Öl auf Leinwand
H. 92; B. 68,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowsk

Dans un café, dit aussi l'Absinthe [Der Absinth]


Im Unterschied zu seinen Impressionistenfreuden ist Degas ein Maler urbaner Szenen. Er stellt mit Vorliebe die Orte für Unterhaltung, Freizeit und Vergnügen dar.

In einem Café, einem beliebten Treffpunkt, sieht man eine Frau und einen Mann schweigend nebeneinander sitzen. Ihr Blick ist leer und traurig, sie wirken mitgenommen und niedergedrückt. Das Werk könnte eine Anspielung auf die schädlichen Folgen von Absinth, diesem starken Alkohol, der wenig später verboten wird, sein. Zola griff bei seinem Roman Der Totschläger, der einige Jahre später entstand, auf das Gemälde zurück: „Ich habe im Laufe meiner Schriftstellerei mehrmals ganz einfach nur Ihre Gemälde beschrieben.“ Die realistische Dimension ist ganz offensichtlich: Bei dem Café handelt es sich um „La Nouvelle Athènes“ am Platz Pigalle, dem Treffpunkt der modernen Künstler, intellektuelles Zentrum der Boheme. Der gewählte Bildausschnitt vermittelt den Eindruck, dass es sich um eine Momentaufnahme eines Besuchers am Nachbartisch handelt. Dieser Eindruck trügt jedoch, denn die Wirklichkeitsnähe ist das Resultat sorgfältigster Recherchen.

Das Gemälde entstand im Atelier und nicht vor Ort. Für seine Porträts standen ihm Personen aus seinem Umfeld Modell: Ellen André ist Schauspielerin und Modell; Marcellin Desboutin ist Maler und Radierer. Da ihr Ruf durch das Gemälde in Frage gestellt wurde, musste Degas öffentlich kundgeben, dass die beiden keine Alkoholiker waren.
Die dezentrierte Darstellung, durch die Leerräume entstehen und die Pfeife des Mannes abgeschnitten wird, ist japanischen Stichen nachempfunden. Degas beabsichtigt damit ein gewisses Ungleichgewicht, das durch den Alkoholkonsum hervorgerufen wird. Auch die Schatten der beiden Figuren, deren Silhouetten sich in dem riesengroßen Spiegel hinter ihnen spiegeln, bestechen durch ihre vielsagende Ausdruckkraft.


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