Aristide Maillol
Das Mittelmeer

Mittelmeer oder Der Gedanke
Aristide Maillol (1861-1944)
Mittelmeer oder Der Gedanke
Zwischen 1923 und 1927
Marmor
H. 110,5; B. 117,5; D. 68,5 cm
© ADAGP, Paris - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

La Méditerranée [Das Mittelmeer]


Als diese Statue 1905 auf dem Salon d'automne unter dem Titel Frau ausgestellt wird, erregt sie großes Aufsehen. Der Schriftsteller André Gide schreibt: „Sie ist schön, sie hat keine Bedeutung“. Sie erhält erst später den Titel Mittelmeer.

Die Statue wurde von dem deutschen Grafen Harry Kessler, der ab 1904 Maillols Mäzen war, in Auftrag gegeben. Auch Der Radfahrer und Das Begehren entstanden in seinem Auftrag. Das Original aus Kalkstein befindet sich in der Schweiz. Das Musée d'Orsay besitzt zwei Exemplare: die Bronze ist jüngeren Datums, während der Marmor zu Lebzeiten des Künstlers realisiert wurde.

Die Skulptur besticht durch ihre Schlichtheit. Maillols Kunst unterscheidet sich grundlegend von der damals üblichen Tradition in der Nachfolge Rodins. Weder übertriebene Emotionen noch hervortretende Muskeln. Das Gesicht entbehrt jeglichen Ausdrucks, die Gliedmaße sind rund, die Haut ist sehr glatt. Maillol arbeitete solange an seiner Skulptur, bis er die ideale Komposition erreicht hatte. Die Figur besteht aus ineinander gefügten Dreiecken, sie scheint in Gedanken versunken. Einzig ein Fuß und eine Hand ragen darüber hinaus. Anhand der zweiten Version aus Marmor werden Maillols Fortschritte im Vergleich zum ersten Modell aus Bronze erkennenbar. In der Bildhauerei nach 1900 bezeichnete man diese Tendenz zur Vereinfachung als „retour à l'ordre“ (Rückkehr zu grundlegenden Werten).


Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter