Jules Desbois
Das Elend

Das Elend
Jules Desbois (1851-1935)
Das Elend
Zwischen 1884 und 1894
Tonentwurf auf Marmorsockel
H. 38,5; B. 18; T. 25 cm
© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda


Das Elend

La Misère [Das Elend]


Das Elend, ein außergewöhnliches Werk, mutet an wie ein Symbol für das Ende des 19. Jahrhunderts, einer Epoche in der viele Zeitgenossen nur Dekadenz und Verfall sehen wollten. Mit ihrer naturalistischen Ausarbeitung nimmt diese eindrucksvolle Darstellung einer alten, mageren, in Lumpen gekleideten Frau die traditionelle Ikonografie des Elends wieder auf.
Das Entstehungsdatum dieses Entwurfs ist nicht gewiss, vielleicht ab 1884. Ein anderer Tonentwurf befindet sich im Musée Rodin. Seine Ausführung in Gips (Parçay-les-Pins, Maine-et-Loire, Musée Jules Desbois) erregte 1894 beim Salon de la Société nationale des Beaux-Arts großes Aufsehen. Der Staat bestellte eine Ausführung in Eichenholz (1896, Nancy, Musée des Beaux-Arts).
Dieser Entwurf muss im Zusammenhang mit zwei anderen im Musée d'Orsay befindlichen Werken, Winter von Auguste Rodin und Clotho von Camille Claudel, gesehen werden. Die drei Werke sind zusammen ausgestellt, denn die Künstler haben das gleiche Modell, eine alte Italienerin, Maria Caira abgebildet. Man weiß allerdings nicht, für wen sie zuerst Modell saß. Die Stilverwandtschaft der Werke ist sehr auffallend. Sie stammen alle drei aus der Zeit, in der Desbois und Claudel für Rodin arbeiteten.
Das Motiv des alten weiblichen Modells und seiner verwelkten Schönheit kommt hier zu wahrhaft universeller Tragweite. Desbois setzt damit eine Tradition aus dem Mittelalter und der Renaissance fort. Die zeitgenössische Kritik sieht darin ein Meisterwerk und betrachtet Desbois definitiv als großen Künstler.


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