Oscar Roty
Die Säerin

Die Säerin
Oscar Roty (1846-1911)
Die Säerin
1887
Wachs auf Schiefer
H. 26; B. 26 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Thierry Ollivier

La Semeuse [Die Säerin]


Diese Säerin ist den Franzosen sehr vertraut: Sie war bis 2001 auf den 50-Centimes-Münzen und den 1-, 2- und 5-Francs-Münzen abgebildet. Jetzt kann man ihre stilisierte Form auf den 10-, 20- und 50-Cent-Stücken sehen. Diese Figur geht auf das Jahr 1887 zurück, als Roty für das Landwirtschaftsministerium eine Medaille entwirft. Das Projekt wird jedoch nicht ausgeführt. Als das Finanzministerium 1896 neue Münzen in Auftrag gibt, gehört Roty zu den ausgewählten Künstlern. Er überarbeitet seine Säerin von 1887 und verwandelt die kräftige Bäuerin in eine anmutige Marianne mit Jakobinermütze. Die traditionelle Silhouette der Republik wich einer in Bewegung begriffenen Figur in Gesamtansicht.

Diese Darstellung führte zu heftigen Reaktionen. Die Zeitungen wetterten: „Was sät diese Frau, deren Jakobinermütze aussagekräftig genug ist? Sie sät Unkraut, verbreitet Unruhe, Anarchie, Hass und Sittenlosigkeit” (Le Moniteur, 28. Februar 1897). Die Allegorie ist jedoch eindeutig: „Das Saatgut, das sie großzügig ausstreut, symbolisiert die Ideen, die eines Tages, wenn wir nicht mehr sind, keimen und sprießen könnten” (La Liberté, 8. Okotber 1898). Die Geste ist in der Tat eher symbolisch als realistisch, denn man sät nicht gegen den Wind.

Die Säerin wird ursprünglich für die 50-Centime-Münzen und die 1- und 2-Franc-Münzen verwendet, die 1897 und 1898 in Umlauf kommen und ab 1903 auch für Briefmarken. Sie wird zum meist verbreiteten Kunstwerk Frankreichs. Obwohl Münzen eigentlich nicht in die Medaillensammlung des Musée d'Orsay gehören, ist diese Wachsstudie auf Schiefer, die charakteristisch für die Technik eines Medaillenstechers ist und Zeugnis von Rotys Meisterschaft ablegt, eines seiner Prunkstücke.


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