Paul Sérusier
Regenschauer

Regenschauer
Paul Sérusier (1864-1927)
Regenschauer
1893
Öl auf Leinwand
H. 73,5; B. 60 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Osay) / Hervé Lewandowski

L'averse [Regenschauer]


Fünf Jahre ist es her, seit Gauguin Sérusier in der Nähe von Pont-Aven die berühmte Lektion zur Malerei erteilte. Letzterer bleibt dem Synthetismus und der Bretagne treu. Er hält sich oft in Huelgoat (Finistère), wo dieses Bild entsteht, auf. Durch die graue Schraffierung wirkt der in der Bretagne allgegenwärtige Regen wie ein zeitloser Dekor. Der Lehre Gauguins entsprechend, der ihm zu vereinfachten Formen und Farben riet, stellt Sérusier sein Sujet mit nur einigen wenigen Strichen dar, er verzichtet auf jegliche Details. Diese synthetische Darstellung wird insbesondere bei der Silhouette der kleinen Figur im Hintergrund deutlich, die auf Grund der Position des Regenschirms oberhalb des Rocks wie ein Pilz aussieht.
Die Stilisierung der jungen Frau im Vordergrund verweist auf die perspektivischen Verkürzungen und Vereinfachungen des japanischen Holzschnitts. Wie seine Nabis-Freunde macht Sérusier aus seiner Bewunderung für fernöstliche Holzschnitte, die er kopiert, um sie ganz zu verinnerlichen, kein Geheimnis. Vermutlich ist das Motiv des Gemäldes auch der japanischen Kunst entlehnt: Regen, Schnee, Windböen waren in der Edo-Periode (1615-1867) sehr beliebt.

Wie bei den Holzschnitten wird der Linienführung der Vorrang gegenüber der Farbe gegeben. Sérusier ist der Ansicht, zu viele Farben wirken sich nachteilig auf das „Werk insgesamt aus. Drei oder vier Töne genügen, sind ausdrucksstark; weitere Farben beeinträchtigen die Wirkung”.
Hier beschränken sich die Farben auf wenige matte, fahle Farbtöne, die an die italienischen Fresken erinnern. Die monumentale, zeitlose Darstellung des Sujets steht in der Tradition der primitiven Kunst. Sérusier schätzt den archaischen Charakter der Bretagne, die unwandelbar an ihren Tradition festhält. „Die moderne Kleidung erfährt zu viele Veränderungen, schreibt er, ich habe für meine Figuren eine zeitlose bretonische Tracht gewählt”.


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