Fritz von Uhde
Christus bei der Bauernfamilie

Christus bei der Bauernfamilie
Fritz von Uhde (1848-1911)
Christus bei der Bauernfamilie
1887-1888
Öl auf Holz
H. 50; B. 62 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le Christ chez les paysans [Christus bei der Bauernfamilie]


Uhde stellt auf diesem Gemälde von 1887/1888 das Gebet vor dem Essen dar. Der Christus mit Heiligenschein, Bart und langem Gewand steht den Bauern sehr nahe. Er wirkt wie ein Mensch, der mit den Armen, dem „wahren Volk Gottes” eng verbunden ist. Uhdes Bild trägt die Merkmale des liberalen Protestantismus seiner Epoche, der die moralische und nicht die mystische Dimension der Religion in den Vordergrund stellt. In diesem sozialen Christentum spielt das Das Leben Jesus von Renan eine wichtige Rolle. In diesem 1863 erschienenen Werk, das auf ganz Europa nachhaltige Auswirkungen hatte, vertritt der Autor die These, dass man die Biografie von Jesus wie die eines jeden anderen Menschen angehen muss.

Wie in Millets Angelus drückt eine weibliche Figur die größte Inbrunst aus. Die Mutter neigt sich zu Christus hinüber und blickt ihn an, während das Gebet der Männer durch den gesenkten Kopf charakterisiert wird. Diese stereotype Darstellungsweise ist damals relativ verbreitet, da man die Ansicht vertrat, vor allem auf dem Land würden die religiösen Traditionen insbesondere durch die Frauen aufrechterhalten.
Christus bei der Bauernfamilie ist von Erfolg gekrönt. Er wird jedoch auch insbesondere von den kompromisslosen Katholiken heftig kritisiert, da sie in diesem Bild eine Entweihung Christi sehen. Dies hindert andere Künstler indes nicht daran, dieselbe Richtung einzuschlagen. Léon Lhermitte beispielsweise, der im Abendmahl in Emmaus (1891-1892, Boston, Museum of Fine Arts) und Kleine Leute (1905, New York, Metropolitan Museum) Christus in Gesellschaft von Bauern darstellt. Uhdes Gemälde wird 1893 vom Staat erworben, da sich die Politiker zweifellos der humanitären Botschaft des Gemäldes bewusst worden sind.


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