Edgar Degas
Le tub

Le Tub
Edgar Degas (1834-1917)
Le Tub
Zwischen 1921 und 1931, modell zwischen 1886 und 1889
Statuette aus Bronze
H. 22,5; B. 43,8; T. 45,8 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean Schormans / Michèle Bellot

Le tub


Frauen bei der Morgentoilette machen ungefähr ein Viertel des Skulpturenwerks von Degas aus. Hier nimmt der moderne Maler die Badeszene, die zahlreiche Renaissancekünstler inspiriert hatte, wieder auf. Abgesehen vom Sujet bietet Le Tub eine Lösung für die Einbeschreibung einer Figur in einen Kreis – ein Problem, mit dem sich die Künstler schon seit Anbeginn der Kunst befassen. Auch die Zusammensetzung ist avantgardistisch: das Originalmodell aus Wachs, das sich in der National Gallery in Washington befindet, wurde aus einer Zinkfolie hergestellt, eine dünne Gipsschicht am Boden symbolisiert das Wasser, der Sockel ist mit in Gips getauchten Stoffen eingehüllt, wie Degas am 13. Juni 1889 an seinen Bildhauerfreund Albert Bartholomé schreibt: „Ich habe lange an dieser kleinen Wachsfigur gearbeitet. Ich habe ihr einen Sockel angefertigt und ihn mit Tüchern umhüllt, die ich zuvor in mehr oder weniger gut gemischten Gips getaucht habe“. Schon 1888 kündigte er ihm dieses Werk an: „Ich habe noch nicht genügend Pferde realisiert. Die Frauen müssen in ihren Becken abwarten“. Folglich wissen wir, wann diese Skulptur entstanden ist, was bei Degas nur selten der Fall ist.

Dieser „distanzierte“ Künstler, der nur für sich selbst arbeitet, vertraute 1897 Thiebault-Sisson an: „man wird diese Versuche nie zu sehen bekommen, niemand wird auf den Gedanken kommen, darüber zu sprechen [...] Bis zu meinem Tod wird sich dies alles selbst aufgelöst haben und dies wird auch für meinen Ruf das beste sein“. Nach dem Tod von Degas am 27. September 1917 können jedoch von den hundertfünfzig Wachsoriginalen, die in seinem Atelier vorgefunden werden, dreiundsiebzig gerettet werden. Am 13. Mai 1918 wird der Vertrag zwischen den Erben und dem Gießer Adrien-Aurélien Hébrard unterzeichnet. Dem leitenden Gießer Albino Palazzolo gelingt es, die Originalwachsmodelle zu erhalten, indem er den Guss anhand von Wachskopien ausführt, die er nach Bronzemodellen realisiert hatte. Diese Serie „MODELE“ wird im Norton Simon Museum von Pasadena in Kalifornien aufbewahrt. Le Tub ist einer der Bronzegüsse dieser Serie, „aus dem unvergänglichen Material“, das Degas ablehnte.


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