Ker-Xavier Roussel
Die Töchter des Leukippos

Die Entführung der Töchter des Leukippos
Ker-Xavier Roussel (1867-1944)
Die Entführung der Töchter des Leukippos
1911
Öl auf Leinwand
H. 430; B. 240 cm
© ADAGP - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean Schormans

L'Enlèvement des filles de Leucippe [Die Entführung der Töchter des Leukippos]


Diese äußerst große Leinwand gehört zu einem Dekor, den Roussel für das Wohnhaus der Familie Bernheim in der Avenue Henri Martin in Paris entworfen hat.
Seit langen Jahren ist er auf bukolische Szenen mit Nymphen und Satyren spezialisiert. Er stellt auch gern Szenen der antiken Mythologie mit Göttinnen und Göttern dar. Diese Rückkehr zu klassischen Themen verhält sich kontrapunktisch zu den Recherchen der zeitgenössischen Malerei, welche von den Kubisten und den Fauvisten in Frage gestellt wird.

Dieses Bild illustriert den Raub der Töchter des Leukippos durch Kastor und Pollux. Rubens hatte die gleiche Szene 1616 gemalt. Sein Bild befindet sich in der Alten Pinakothek in München. Im Gegensatz zu diesem Vorbild, welches den gewalttätigsten Moment der Entführung behandelt, begnügt Roussel sich damit, den Augenblick gerade davor zu zeigen. Die jungen Mädchen sehen den Reiter, ganz klein, rot gekleidet und fast im Zentrum des Bildes. Sie versuchen zu fliehen und ihre Nacktheit zu verbergen. Die drei Figuren bilden zusammen eine barocke Linie, die sich über das starre und stereotypische Landschaftsbild schlängelt und es belebt.

Diese große Komposition Roussels bezeugt den hohen Grad an Meisterschaft, den der reife Maler erreicht hat. Der Künstler hat sein Bild mit kleinen dynamischen Tupfern übersät, die dieser etwas düsteren Szene Leben verleihen. Außerdem kann man das ausgewogene Verhältnis zwischen Vorder-, Hinter- und Mittelgrund, sowie die kräftige Ausformung der weiblichen Körper bewundern. Um dem Bild die letzte Abrundung zu geben, hat Roussel rund um die Leinwand eine Einrahmung aus Blumenmotiven gemalt.


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