Emile Bernard
Bretoninnen mit Sonnenschirm

Les bretonnes aux ombrelles
Emile Bernard (1868-1941)
Les bretonnes aux ombrelles
1892
Huile sur toile
H. 85 ; L. 105 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Les bretonnes aux ombrelles [Bretoninnen mit Sonnenschirm]


Der Schule von Pont-Aven gehören die verschiedensten Künstler an, die ab 1885 regelmäßig in diesem kleinen Ort im Süden des Finistère zusammenkommen. Nachdem Gauguin – der Begründer der Gruppe – nach Tahiti abgereist war, setzt Emile Bernard in der Bretagne seine Recherchen zum Synthetismus fort. In dieser Gegend, die von der Industrialisierung verschont geblieben ist, sind die Traditionen noch sehr lebendig. Sowohl Bernard als auch Gauguin fasziniert diese Ursprünglichkeit, die ihnen als Inspirationsquelle dient. In ihren Augen steht das Leben der Einwohner dieses urwüchsigen Landstücks noch im Einklang mit den wichtigsten menschlichen Werten.

Der Künstler vermeidet bewusst jegliches realistische Stilmerkmal. Durch das Flechtwerk von Linien, die die flächig aufgetragenen Farben eingrenzen, wirkt die Szene wie aus einer Glasmalerei ausgeschnitten. Bernard schafft formale Entsprechungen zwischen den Rundungen der Sonnenschirme und der Hügel im Hintergrund, zwischen der vertikalen Linienführung der Bäume und der Silhouetten der Frauen auf der rechten Seite. Figuren und Dekor bilden ein in sich geschlossenes Ensemble, das es dem Künstler erlaubt auf jegliche anekdotischen Zufügungen zu verzichten. Das Gemälde mutet auf Grund der fehlenden Tiefenwirkung und der künstlichen Beleuchtung, die einer Theaterszene ähnelt, noch rätselhafter an. In diesem künstlichen Raum betrachten sich die Frauen, deren gemessene Haltung an so manches Bild von Seurat erinnert, schweigend. Das Wichtigste an diesem Gemälde ist nicht das Sujet sondern die Art, wie es gemalt ist und was es zum Ausdruck bringt.


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