Jean-Baptiste Hugues
Ödipus auf Kolonos

Oedipe à Colone
Jean-Baptiste Hugues (1849-1930)
Oedipe à Colone
1885
Groupe en marbre
H. 181 ; L. 136 ; P. 100 cm
© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Ödipus auf Kolonos
Ödipus auf Kolonos

Oedipe à Colonne [Ödipus auf Kolonos]


Wie alle traditionellen Künstler seiner Generation hat der Bildhauer Hugues das Thema des menschlichen Körpers ausgiebig behandelt. Sein Ödipus gehört zu diesem Repertoire, beruft sich aber gleichzeitig auf eines der großen Themen der griechischen Antike. Er dient als Vorwand für anatomische Studien und vor allem zitiert er Homer fast wörtlich:

Hier befinden wir uns unter den Olivenbäumen von Kolonos, in der ersten Szene der Tragödie.
- Setz mich auf einen Stein, spricht Ödipus und bewache deinen blinden Vater.
- So lange erfülle ich nun schon diese Pflicht, erwidert traurig Antigone, dass ich sie nicht mehr zu erlernen brauche.“
Und um ihren Vater davon zu überzeugen, dass ihre Worte nicht die leiseste Spur von Bitterkeit enthalten, setzt sich das junge Mädchen zu ihm und drückt ihren Kopf sanft an seine Schulter. Ödipus umfasst mit seinem Arm den Körper Antigones, die den Blinden mit einem wunderschönen Ausdruck zärtlicher Trauer anschaut.

Durch das Spiel mit dem Kontrasten zwischen Ödipus, dessen Haut mit den Jahren faltig geworden ist, und Antigone, gelingt ihm ein perfekter Ausgleich zwischen anmutiger weiblicher Nacktheit und athletischen Kompositionen, wobei der Ausdruck des Leids und der Resignation in den Mittelpunkt rückt. Die äußerst wahrheitsgetreue Darstellung des Torsos wurde von den Kritikern häufig getadelt. Sie warfen Hugues vor, die Wahrheit vor den Stil zu stellen.

Nachdem der Gipsentwurf im Salon von 1882 ausgestellt worden war, bestellte der Staat beim Künstler die Marmorausführung für die nationalen Museen.  


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