Jean Auguste Dominique Ingres
Venus in Paphos

Venus in Paphos
Jean Auguste Dominique Ingres (1780-1867), Alexandre Desgoffe (1805-1882)
Venus in Paphos
Um 1852
Öl auf Leinwand
H. 91,5; B. 70,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Franck Raux

Vénus à Paphos [Venus in Paphos]


Wie der Titel besagt, stellt dieses Gemälde Venus, die römische Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit dar. Hinter dem üppigen Laubwerk von Alexandre Desgoffe, einem Schüler und Mitarbeiter von Ingres, kann man einen antiken Tempel erkennen. Dieses Detail, sowie die Gegenwart des kleinen Cupidos deuten ganz klar darauf hin, dass es sich bei der nackten Frau im Vordergrund um Venus handelt. In einem seiner Hefte schreibt Ingres jedoch „Skizze für eine Venus, Porträt-Gemälde” und unterstreicht das Wort „Porträt”, um die Gattung dieses Bildes hervorzuheben. Folglich lässt es sich nicht auf ein reines mythologische Gemälde reduzieren. Diese Venus zeichnet sich durch ihre Physiognomie aus - ein ovales Gesicht mit großen blau-grauen Augen -, sie hat wenig mit den relativ stereotypen Gottheiten gemein, die Ingres sonst darstellt.

Bei dem Modell handelt es sich um Frau Antonie Balaÿ (1833-1901), die Tochter eines reichen Parlamentariers. Man weiß hingegen nicht, wie Ingres dazu kam, den nackten Körper einer Venus mit den Gesichtszügen einer Dame der führenden Gesellschaftsschicht in Verbindung zu bringen. Vielleicht war es eine Auftragsarbeit, die annulliert wurde, als der Künstler schon mit dem Porträt begonnen hatte und er beschließt, sein Gemälde in eine mythologische Szene umzuwandeln. Man kann sich allerdings kaum vorstellen, dass dies ohne die vorherige Zustimmung des Modells geschah.
Wie gewöhnlich geht es Ingres bei der Darstellung des Körpers seiner Venus nicht um anatomische Wirklichkeitstreue. Vor allem Picasso wird sich an den Deformierungen erfreuen. Die Linienführung des Rückens ist viel zu gewölbt, der Winkel zwischen Hals und linker Schulter wirkt merkwürdig. Durch den eigenartigen Körper in Verbindung mit Frau Balaÿs in die Ferne schweifenden Blick geht von diesem Werk eine befremdende Erotik aus, die an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit liegt.


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