Eugène Delaplanche
Jungfrau mit Lilie

Jungfrau mit Lilie
Eugène Delaplanche (1836-1891)
Jungfrau mit Lilie
1878
Statue, Marmor
H. 199,8; B. 60; T. 61 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda

Vierge au lys [Jungfrau mit Lilie]


Die Jungfrau mit Lilie besticht durch ihre Zartheit: die Statue von Delaplanche stützt sich in einer leichten Bewegung begriffen kaum merklich auf das linke Bein, ihr Kopf bedeckt ein weiter Mantel, durch die geneigte Haltung des Gesichts entstehen Halbtonwerte auf der Oberfläche, der würdevolle Ausdruck verhindert jegliche Manieriertheit. „Diese Jungfrau mit Lilie ist Ausdruck höchster Mystik, schrieb ein Kritiker, Fra Angelico und Donatella schufen kein reineres Werk“. Bezeichnend ist insbesondere die feine Behandlung der Falten und des Fleisches, die der Skulptur eine immaterielle Dimension verleihen. Die Präsenz des Körpers ist indes deutlich spürbar, man wollte eine gewisse Niedergeschlagenheit, Lethargie oder auch Desillusion wahrnehmen.

Der vielseitig begabte Künstler war vor allem im Zweiten Kaiserreich sehr beliebt. Während man unter Napoleon III. einer sinnlichen, formenreichen und ausdrucksstarken Kunst den Vorrang gab, gehörte Delaplanche einer Gruppe junger Bildhauer an, die ein wenig abseits stand. Ihr Interesse für die florentinische Kunst spiegelt sich in den Effekten wider, die durch Flächen und Faltenwürfe erreicht werden und die wie hier sichtbar Ausdrucksstärke und Poesie vereinen. Der Großteil jener Künstler ist jeglichen Theorien oder akademischen Dogmen wie dem Realismus abgeneigt, doch ihre Kompositionen sind virtuos und stellen das Sujet in den Vordergrund.

Die Jungfrau mit Lilie wurde auf dem Salon von 1878 mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet und auch im Musée du Luxembourg, dem damaligen Museum für lebende Künstler, und 1889 auf der alle zehn Jahre wiederkehrenden Weltausstellung präsentiert.


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