Henri Le Secq
Bach im Wald (Montmirail)

Bach im Wald (Montmirail)
Henri Le Secq (1818-1882)
Bach im Wald (Montmirail)
Um 1853
Salzpapierabzug von Papiernegativ, mit Wachs behandelt
H. 50,7; B. 37,7 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Ruisseau en forêt (Montmirail) [Bach im Wald (Montmirail)]


Henri Le Secq unternimmt 1848 zusammen mit Gustave Le Gray, den er im Atelier von Delaroche während des Malereistudiums kennen gelernt hat, seine ersten fotografischen Versuche. Die gotische Architektur fasziniert ihn und als eines der bemerkenswertesten Mitglieder der Heliografischen Mission erhält er den ersten offiziellen Auftrag, der an einen Fotografen geht. Landschaften gehören ebenso wie die Architektur der Kathedralen zu den bevorzugten Themen Le Secqs und er behandelt sie mit vollendeter Meisterschaft.

In Montmirail, wo die Familie seiner Frau Ländereien besitzt, fotografiert Henri Le Secq „Ausschnitte der Natur“ ohne Himmel, die die Dichte der Materie hervorheben. Mit diesen Aufnahmen und besonders diesem Bach im Wald bringt Le Secq eine sehr erdgebundene Auffassung des Landschaftsbildes zum Ausdruck, die ganz im Gegensatz zu der viel metaphysischeren Auffassung Le Grays steht. Es ist kein Zufall, dass Paul Périer, ein Mann, der die Bilder der Maler von Barbizon sammelt, sich sehr bewundernd über die Landschaften äußert, die Le Secq 1855 auf der Weltausstellung zur Schau stellt.

Le Secq reproduziert die Werke von Diaz, pflegt den Umgang mit Daubigny, seinem Nachbarn auf der Insel Saint Louis und sammelt später die Bilder von Jongkind, Sisley und Monet, was wiederum seine Vorliebe für die Landschaftskunst bezeugt. Später, 1878, als er die Fotografie schon aufgegeben hat, veröffentlicht er seine Landschaften unter dem Titel Vordergrundetüden nach der Natur.

Dieser Bach im Wald, ein Höhepunkt des fotografischen Könnens, ist ein meisterhaftes Beispiel für die realistische Strömung der Landschaftsfotografie im 19. Jahrhundert.


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