Alfred Vaudoyer
Fassade des Pavillons von Luxemburg

Weltausstellung 1878: Fassade des Pavillons von Luxemburg
Alfred Vaudoyer (1846-1917)
Weltausstellung 1878: Fassade des Pavillons von Luxemburg
1878
Feder und Aquarell
H. 61; B. 39 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Exposition universelle de 1878 : façade du pavillon du Luxembourg [Weltausstellung 1878: Fassade des Pavillons von Luxemburg]


Für Frankreich stellt die Weltausstellung von 1878 eine Revanche dar. Das Land erlebte 1870 eine demütigende Niederlage, es wurde von den Ereignissen der Kommune schwer mitgenommen und musste an Deutschland fünf Milliarden in Gold als Entschädigung zahlen. In der Folgezeit unternahm es alle möglichen Anstrengungen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die Weltausstellung soll den Erfolg widerspiegeln.
Die wirkliche architektonische Neuerung ist die beeindruckende Straße der Nationen auf dem Marsfeld. Der Kontrast zwischen dieser riesigen Straße, auf der sich siebenundzwanzig Länder mit einem für sie charakteristischen Bauwerk repräsentieren, und der Haussmann'schen Straße ist gewaltig. In der ersten sind nur polychrome Fassaden und Nischen zu sehen, primitive Architektur kontrastiert mit extremem Raffinement. In der zweiten findet man nur nüchterne Fassaden in dem selben Farbton, die einer strengen Ordnung unterliegen.
Dies fällt auch den Kritikern auf: „Die einzelnen Bauten scheinen absichtlich so angeordnet, dass jeder architektonische Stil zur Geltung kommt, und um die Wirkung noch zu verstärken, stellte man die Bauwerke der Völker, die sich am wenigsten ähneln, nebeneinander, so dass durch ihre Nachbarschaft die jeweilige Kunst noch mehr hervorgehoben wird“.

Dem Architekten des Pavillons von Luxemburg fiel es schwer, für das Großherzogtum, den Angelpunkt Europas, zwischen der deutschen, französischen und belgischen Komponente zu wählen; dies wird durch die Tatsache erschwert, dass sich einige andere „kleinere Staaten“ – Monaco, die Republik San Marino und das Fürstentum Andorra - dieselbe Fassade teilen sollen.

Vaudoyer gestaltete die Fassade des Bauwerks, das sich zwischen der gotischen Architektur von Portugal und der islamischen von Tunesien befand, im Stil der Renaissance, um den Charakter von Luxemburg auszudrücken. Anscheinend war das Land mit dieser Wahl zufrieden, denn der Architekt entwarf auch die Pavillons für die Weltausstellungen von 1889 und 1900.


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